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WIE STARTEN SIE IHRE ERSTE EIGENE KUNSTKOLLEKTION?

WIE STARTEN SIE IHRE ERSTE EIGENE KUNSTKOLLEKTION?

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Am besten mit guten Sneakers

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Oft löst die erste eigene Wohnung den Impuls aus, in Kunst investieren zu wollen. Der Start einer eigenen Kunstkollektion beginnt mit vielen Kilometern zu Fuß: Museen, Galerien, Kunstmessen, Biennalen, Kunstprojekte, Kunsthochschulen, Ateliers von Künstlern sowie der Besuch bei etablierten Sammlern.

Mit jedem Kilometer erweitern Sie Ihr Kunstwissen und haben dazu noch jede Menge Spaß. Bei wenigen Themen bereitet das Lernen so viel Vergnügen.

„Große Kunst erweitert den Geschmack, sie folgt ihm nicht“

Dieses Zitat von Steve Jobs beschreibt treffsicher den Unterschied zwischen Kunst und Dekoration. Letztere mag mit viel Geschmack ausgesucht sein und integriert sich in hervorragend im Raum.

Kunst lässt den Betrachter innehalten. Gute Kunst inspiriert. Oft erklärt sie sich nicht von selbst, erfordert einen zweiten und dritten Blick. Kunst verstört und erreicht bisweilen die Schmerzgrenze des Betrachters. Gute Kunst vermag Gefühle auszulösen – positiver und negativer Art. Auf diese Weise erzeugt sie Energie im Raum.

Nach Jahren sieht man ein Kunstwerk manchmal mit anderen Augen und Gefühlen; es verliert jedoch nicht an Reiz. Wenn kein Platz mehr vorhanden ist, kann das Kunstwerk an gute Freunde verliehen oder verschenkt werden. Umfangreiche Kunstsammlungen werden in speziellen Lagerräumen für Kunst aufbewahrt, da sich die meisten Sammler nur ungern von ihren Kunstwerken trennen.

Death, Divorce or Debt

Die drei häufigsten Gründe, warum Sammler ihre Kunstwerken verkaufen, lassen sich mit den sogenannten großen drei D’s kategorisieren: Death, Divorce or Debt.

Der angehende Kunstsammler steht vor den folgenden Fragen:

WIE ERKENNE ICH DEN KÜNSTLERISCHEN WERT EINES WERKES?
WELCHER PREIS IST DAFÜR GERECHTFERTIGT?
WELCHE STRATEGIE SOLLTE ICH VERFOLGEN?

Und damit bleibt er oder sie meist alleine, denn Kunstberater sind in der Regel nicht an kleinen Anfänger-Budgets interessiert und auch ein guter Freund, der selbst Kunst sammelt, hilft nicht wirklich weiter. Kunst ist, aufgrund ihrer Kraft Emotionen auszulösen, höchst individuell.

Werke, die der eine Kunstsammler gerne prominent im Esszimmer platziert, verderben dem befreundeten Kunstliebhaber komplett den Appetit. Es kommt darauf an, die eigene individuelle Kunstrichtung finden. Die folgenden 6 Tipps helfen dabei.

1. SAMMELN SIE ZUNÄCHST ERFAHRUNG

Kunst einzuordnen fällt einem Laien zu Beginn schwer. Es führt kein Weg daran vorbei, sich zunächst umzusehen. Gelegenheit dazu gibt es reichlich: Kunstmessen wie die Art Basel, Frieze, TEFAF und viele andere mehr sind an einigen Tagen auch für Nichtfachbesucher geöffnet.

Diese wichtigen Kunstmessen bieten einen hervorragenden Überblick über die jeweiligen Kunstrichtungen. Dort sind renommierte und vielversprechende junge Galerien aus vielen Ländern oder Kontinenten an einem Ort präsent.

Die Atmosphäre auf den meisten Messen ist in vielfältiger Hinsicht inspirierend. Ein interessantes internationales Publikum und an allen Ecken locken hippe Restaurant-Stände und Bars. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

So gelingt der Messebesuch

Besorgen Sie sich den Messeplan und das Ausstellerverzeichnis. Die Versuchung ist groß, kreuz und quer durch die Hallen zu streifen. Es lohnt es sich jedoch, zunächst mit dem Plan systematisch die Messe zu durchlaufen und die interessanten Aussteller zu notieren.

Im zweiten Durchgang können Sie sich auf diejenigen konzentrieren, bei denen sich ein längerer Besuch und Gespräche lohnen. Sie werden merken, dass sich Ihre Prioritäten im Plan ständig ändern. Was in der ersten halben Stunde noch attraktiv aussah, wird nach der Ansicht weiterer Ausstellungsstände oft wieder gestrichen.

Die Messe ist ein kommerzieller Ort. Das Ziel ist der Verkauf von Kunst. Scheuen Sie sich nicht, nach den Preisen der Kunstwerke zu fragen. Selbst wenn das Kunstwerk bereits verkauft ist, was oftmals, aber nicht immer am roten Punkt neben dem Kunstwerk zu erkennen ist, lohnt es sich, nach dem Preis zu fragen, um das Werk und den Künstler, besser einschätzen zu können.

Am Ende der Messe besitzen Sie eine erste Einordnung von Galerien, die für Sie interessant sind. Die Mehrzahl versendet einen Newsletter, in dem neue Ausstellungen angekündigt werden. Schreiben Sie sich dort ein und beginnen Sie, diese Galerien regelmäßig zu besuchen.

Nach einer Weile werden Sie sich auf eine kleinere Zahl von Galerien konzentrieren. Das kann eine Weile dauern. Andererseits hält eine gute Beziehung zu einem Galeristen viele Jahren, bisweilen sogar ein ganzes Leben lang.

Veranstaltungen wie das GalleryWeekend oder der Saisonstart der Galerien in vielen Städten sind zusätzlich geeignet, neue Galerien zu entdecken.

2. DÉJÀ VU

Europa besitzt einen unglaublichen Reichtum an Kunstmuseen. Die meisten davon folgen einem kunsthistorischen Verständnis und möchten mit ihren Sammlungen oder Ausstellungen einen wohlfundierten Einblick in bestimmte Kunstgattungen oder Kunstentwicklungen zeigen.

Der aufmerksame Besucher wird dort entdecken, dass einiges, was er auf einer Messe zuvor noch originell und neu fand, schon vor vielen Jahren von einem Künstler gezeigt worden war.

Diese Entdeckung ist in zweierlei Hinsicht erfreulich: Das Kunstwissen hat sich ganz offensichtlich schon erweitert und man freut sich, dass man auf der Messe das Remake nicht gekauft hat. Viele Freundeskreise oder Fördervereine von Museen bieten interessante Reisen an, die bisweilen auch Atelierbesuche bei Künstlern vorsehen.

Siehe auch
Woran erkennt man eine gute Galerie?

3. PLANEN SIE IHREN URLAUB IN VENEDIG ODER LONDON

Eine der schönsten Möglichkeiten, sein Wissen über Kunst zu erweitern, ist der Besuch der Kunst-Biennale in Venedig. Die größten Ausstellungsorte, Giardini und Academia, bieten allein aufgrund ihrer Lage und ihrer historischen Bedeutung ein großes Vergnügen für die Sinne.

An vielen anderen Orten in der Lagunenstadt sind weitere spannende Ausstellung in Kirchen, Privathäusern, Palästen und auf Plätzen zu entdecken; dazu der Charme von Venedig. Die perfekte Kombination, zumal es sich im Urlaub sehr entspannt durch die Ausstellungsräume wandeln lässt.

Gleiches gilt für London. Die jährlich im Oktober stattfindende Kunstmesse Frieze lockt auch im Zeitalter des Internets die wichtigsten Akteure der Kunst persönlich in die Stadt. In dieser Zeit versuchen alle großen Museen und Galerien ihre Höhepunkte zu zeigen. Eine hohe Konzentration an herausragender Kunst in der spannenden Metropole London. Mehr geht nicht.

4. LEERE WÄNDE

Erst mit diesen Erfahrungen sollten Sie beginnen, Kunst zu kaufen. Sie werden dann auf wunderbare Erlebnisse zurückblicken und froh sein, dass die meisten Ihrer Wände noch leer sind. Wie bei vielen anderen Einkäufen ist die Zeit Ihr Freund. Prüfen Sie, ob die spontane Begeisterung für eine Arbeit auch nach Stunden oder Tagen noch vorhanden ist. Sie werden merken, dass dies bisweilen nicht der Fall ist.

Je mehr Sie gesehen haben, desto stärker entwickelt sich Ihr individueller Kunstgeschmack und die Arbeiten, die Sie dann erstehen, werden Ihnen über viele Jahre hinweg Freude bereiten. Sie werden sie von Zeit zu Zeit neu hängen und dabei auch immer wieder neu entdecken. Gute Kunst altert nicht.

5. DIE NÄCHSTE KÜNSTLERGENERATION

Viele Kunsthochschulen oder Akademien veranstalten Ausstellungen ihrer Absolventen, bei denen man einen Teil der Arbeiten auch erwerben kann. Den nächsten Neo Rauch oder Thomas Demand ganz am Beginn seiner Entwicklung zu entdecken ist schwer. Aber oft bieten diese Ausstellung Arbeiten zu sehr erschwinglichen Preisen und Sie unterstützen zugleich einen hoffnungsfrohen Absolventen, der es schwer genug haben wird, sich im Kunstmarkt zu etablieren.

6. DAMIT MÜSSEN SIE RECHNEN

Wenn Sie Ihre ersten Werke stolz in Händen halten (selbstverständlich nur in den dafür vorgesehenen leichten weißen Handschuhen aus Baumwolle) sollten Sie bedenken, dass Sie mit weiteren Kosten rechnen müssen. Die meisten Werke erhalten durch einen gut gewählten Rahmen an Attraktivität.

Vergessen Sie IKEA oder den Baumarkt. Hier ist ein professioneller Rahmenmacher gefragt, der Sie berät und Ihnen spannende Alternativen vorschlagen kann, mit denen Sie dem Kunstwerk zum optimalen Auftritt verhelfen.

Auch die Versicherung für Ihre Kunstwerke sollen Sie bedenken und in jedem Fall Ihrer Putzfrau Bescheid sagen. Gutgemeint und nichtsahnend wurden schon viele Werke zerstört. Das Briefing hier sollte kurz und eindeutig sein: Hände weg!

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