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MAKOTO AZUMAS BLUMENKUNST

MAKOTO AZUMAS BLUMENKUNST

Kunst, die das Herz berührt, selbst wenn sie verwelkt

Das Talent des Japaners Makoto Azuma, Blumen als Kunstwerke zu arrangieren bewundern wir seit vielen Jahren. Der Akttülle Dokumentarfilm „Flower Punk“, der ihn bei seiner Arbeit in Tokyo zeigt, kommt genau zur richtigen Zeit. 

 

Etwa 30 gut investierte Minuten bei YouTube über Japan, Career-Change und einen Blumenkünstler, der Blumen ins All schickt

Alison Klayman hat einen Kurzfilm über den japanischen Blumenkünstler Makoto Azuma gedreht „Flower Punk“. Mittlerweile arbeitet sie wieder an einer umfangreichen Dokumentation über den ehemaligen Chefstrategen im Weißen Haus, Steve Bannon. Im Interview mit dem Magazin The New Yorker, das diesen Dokumentarfilm finanziert hat, meint sie „Die Arbeit an diesem Film hat mir die Chance gegeben, aus der Research Arbeit über dunkle Welten und konstant düstere Nachrichten aufzutauchen und beim Anblick von Schönheit aufzuatmen“.

GloriousMe bewundert die Blumenarbeiten von Makoto Azuma schon seit vielen Jahren. Der Dokumentarfilm, der bei YouTube kostenfrei verfügbar ist, bietet ein Eintauchen in die Arbeit des Perfektionisten Makoto Azuma, der Blumen zu ätherischen Kunstwerken arrangiert und sie danach auch in Eis packt, ins All oder in die Tiefsee schickt, um ihre Entwicklung dort per Video und Fotografie festzuhalten. 

Plantdemic

Genau das richtige in einer Zeit, die auch „Plantdemic“ genannt wird, so steil sind die Umsätze für Pflanzen und allem was dazu gehört, nach oben gegangen.

Da nicht jeder Zeit oder Lust hat, im Garten oder auf dem Balkon tätig zu werden, ist dieser Film für alle geeignet, die an Ästhetik und Japan interessiert sind und einen Blick auf Blumenarrangements werfen möchten, die man in dieser Ästhetik selten oder nie sieht.

Flower Punk

Der Titel des Filmes leitet sich von Makoto Azumas Start in Tokyo als Mitglied einer Punktband ab. Aus der japanischen Provinz war er nach Tokyo gegangen, um dort als Punk durchzustarten. Der Erfolg stellte sich nicht ein und als er in finanziellen Nöten einen Aushang im Blumenladen gegenüber seiner Wohnung sah, dass eine Aushilfe gesucht wurde, bewarb er sich und verbrachte die nächsten Monate damit, Blumenkübel zu reinigen.

Daraus entwickelte sich eine weltweite Karriere als Blumenkünstler, der mittlerweile auch für Modehäuser wie Fendi, Hermès oder Dries van Noten Blumen arrangiert. Ein Blick auf seine Blumenkompositionen macht sofort klar, warum Modedesigner, Top-Hotels und Restaurants seine Kunst lieben. Die Kombination der Farben und Strukturen von Blüten, Gräsern und Zweigen treffen mit ihrer ungewöhnlichen Ästhetik direkt ins Herz.

Vergänglichkeit

Für Makoto Azuma ist das Arrangement der Blumen auch Gleichnis für die Vergänglichkeit: Der immerwährende Versuch, den perfekten Moment im Foto oder Video festzuhalten, und gleichzeitig die ganz eigene Ästhetik verwelkender Blumen zu dokumentieren. 

Eine der beeindruckendsten Szenen des Films sind Aufnahmen eines riesigen Blumenarrangements: Flower Box. Das Video zeigt dieses Blumenarrangement in Form einer riesigen Box zum Zeitpunkt der schönsten Blüte und im anschließenden Zeitraffer in den Momenten des Verwelkens. Da die meisten Kunst-Galerien nicht für Blumenkunst geeignet sind, insbesondere dann, wenn der Prozess des Verwelkens Teil des Kunstwerkes ist, eröffnete Makoto Azuma seine eigen Galerie in Tokyo. Der Film Flower Punk enthält auch interessante Aufnahmen aus dieser Galleriezeit.

Auch viele Stilleben der großen Niederländischen Meister zeigen Blumen, die gerade dabei sind zu verwelken. Für die Zeit, in der das Reisen wieder möglich wird, möchten wir Ihnen gerne eines unserer Lieblingsmuseen, das Mauritshuis in Den Haag, ans Herz legen. Dieses kleine aber feine Museum konzentriert sich ausschließlich auf die Niederländischen Meister und ist alleine schon eine Reise in die auch sonst sehr attraktive Stadt Den Haag wert.

Humanrelavant

Die Künstlerin Mia Florentine Weiss nennt Kunst humanrelevant. Schönheit, die in Kunst aber auch vielen anderen Dingen liegen kann, sehen auch wir als wichtige Quelle, die Zeiten der Pandemie nicht nur körperlich sondern auch seelisch gut zu überstehen.

Shruti Advani, eine in London lebende Journalistin (und eine der liebenswertesten Menschen, die wir kennen) schrieb in einem Artikel in der Financial Times, dass eine ihrer Aktivitäten anläßlich der Bekanntgabe des ersten Lockdowns in Großbritannien die Verdopplung ihrer Bestellungen bei einem Online-Blumen-Lieferdienst war. In Quarantäne war es ihr wichtig, die Menschen in ihrem Haushalt mit dem Anblick von schönen Blumen zu verwöhnen. (The awkward lessons of my luxury lockdown in Kensington, Financial Times, bezahlpflichtiger Artikel)

Sie musste sich aufgrund des Artikels mit extremen, zum Teil auch sehr rassistischen Anfeindungen aufgrund Ihrer indischen Herkunft bis hin zu Todesdrohungen konfrontiert sehen. Wir können Shruti Advanis Wunsch gut nachvollziehen und es stimmt uns sehr bedenklich, dass in dieser Krise der Pandemie nicht nur die besten Seiten der Menschheit sichtbar werden.

Siehe auch
Micuccia Prada ist die treibende Kraft hinter den Modemarken Prada und Min Miu und hat damit seit Jahren Erfolg.

Man muss auch Gönnen können, sagt man in Köln. Gönnen Sie sich Flower Punk

Makoto Azuma sieht die Schönheit von Blumen als unsere Verbindung zur Natur und ihrem (hoffentlich) unendlichem Zyklus. Eine der eindrucksvollsten Szenen des Filmes zeigt Makoto Azuma bei einem Blumenarrangement in einer zerstörten, verlassenen Grundschule in Fukushima.

Wenn Sie den Namen Makoto Azuma und den Begriff Flower Punk bei YouTube eingeben, können Sie sich den Dokumentarfilm von Alison Klayman ansehen. Gönnen Sie sich etwa dreißig Minuten das Eintauchen in die Welt von Makoto Azuma. Ihm und seinem Team bei der Arbeit zuzusehen, ermöglicht einen interessanten Einblick in die Entstehungsweise der Blumenarragements eines Perfektionisten, der seiner Assistentin erst nach Monaten erlaubte, das Wechseln des Wassers in den Blumenkübeln zu übernehmen. Natürlich ist dieser Film für alle Liebhaber von Japan ein filmischer Leckerbissen.

Flower Punk ist auch ein Film über eine Freundschaft und macht Mut, einen ungewöhnlichen Berufswechsel zu wagen. Der Fotograph, der Makoto Azumas Blumenkunstwerke so meisterlich photographiert, Shiinoki Shunsuke, ist ein Freund aus Kindheitstagen. Der Film zeigt an einer Stelle auch die Vielfalt der Blüten, die auf dem Großmarkt in Tokyo, dem zweitgrößtem Blumenmarkt der Welt, zu finden sind. Ein Traum für jeden Liebhaber außergwöhnlicher Blumen.

Und für Zuhause …

Die Auswahl im lokalen Blumenhandel ist zwangsläufig kleiner und an dem orientiert, was sich landläufig verkaufen lässt. Bislang stammt im Angebot der meisten Blumenläden das wenigste aus regionalem Anbau, obwohl es sehr Sinn machen würde, möglichst regionale Blumen zu verwenden. Kleine Entwicklungen dorthin gibt es bereits.

Nach Flower Punk werden Sie vermutlich bei Ihrem nächsten Besuch im Blumenladen auf das Binden eines Blumenstraußes Strauß verzichten und die Blumen selbst in der Vase oder jedem anderen Gefäss arrangieren. Be inspired. 

Inspiration, die sich auch als aufmerksame Geste in Ihrem Gästezimmer gut macht. Von Makoto Azuma gibt es mittlerweile zwei gut produzierte Bildbände: Flora Magnifica: The Art of Flowers, aus dem unser Foto stammt und Flower Art, das Aufnahmen seiner ätherischen Blumenkunstwerke im All zeigt. Eines dieser Bücher auf dem Nachttisch arrangiert, ist sicherlich ein probates „Betthupferl“ für schöne Träume.

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