DER FISCH, DER AUS DER KÄLTE KOMMT
Zwischen Januar und April wandert der Winterkabeljau aus der rauhen kalten Baringsee in die norwegischen Gewässer vor den Lofoten. Für Fischer und Genießer die schönste Fischsaison.
Nur für kurze Zeit
Kommt der Kabeljau aus dem arktischen Ozean in den Fanggründen vor den norwegischen Lofoten an, ist die Freude der dortigen Fischer groß. Eine kurze aber potentiell sehr ertragreiche Fischsaison beginnt.
Von Dezember bis April kommt der Kabeljau aus dem Nordpolarmeer zum Laichen in die Gewässer Norwegens. Und von dort aus geht es entweder als frischer Fisch schnell weiter in den Fischhandel oder er wird gesalzen, getrocknet und landet als Bacalhau in einem köstlichen Gericht in einem Restaurant in Portugal oder Brasilien.
Schon die Wikinger feierten ein Freudenfest, wenn die ersten Kabeljau-Schwärme in den Buchten Norwegens zu sehen waren, denn sie schätzten den weißfleischigen, köstlichen Fisch ebenso wie GloriousMe.
Der norwegische Winterkalbeljau wird Skrei genannt. Die muskulösen Lenden des Fisches (Skrei Lions) bieten ein sehr hohes Fischfilet, das im Ofen oder der Pfanne gegrillt köstlich schmeckt. Eigentlich viel zu schade, um daraus industrielle Fischstäbchen anzufertigen, bei denen nur noch die Panade Geschmacksaromen aufweist.
Skrei © Alamy Stock Foto
Nur echt aus Norwegen
Kabeljau gibt es auch in anderen Meeresgebieten. Aus der Familie der Dorsche stammend, konnte er auch in der Ostsee kommerziell gefischt werden. 2018 ernannte ihn der Deutsche Angelfischverband zum Fisch des Jahres. Nicht, weil der Verband so begeistert von diesem Fisch war, sondern um damit auf die Überfischung hinzuweisen. Schon damals war der Kabeljau in der Ostsee kaum mehr anzutreffen.
Die Gründe dafür sind vielfältig, angefangen vom Eintrag zu hoher Mengen an Düngemittel aus der Landwirtschaft in das Meer, dem Anstieg der Meerestemperatur, unlauteren Fischfangmethoden einiger Flotten etc.
Die smarten Norweger haben strikte Regeln eingeführt, mit welchen Methoden der Skrei gefischt werden darf. Diese Vorschriften, die das Angeln durch Leinen vorsehen, bei einem modernen mittleren Fischerboot bedeutet das etwa 400 Leinen, sind nicht nur dokumentiert, sondern werden von der Küsten Patrouille Norwegens auch täglich kontrolliert.
Weitere strikte Vorgaben über die weitere Verarbeitung nach dem Fang sorgen für bestmögliche Fischqualität.
Nur Salz und Fett
Der Skrei hat eine anstrengende Reise von der Baringsee bis nach Norwegen hinter sich gebracht. Sein Fleisch ist strahlend Weiß, muskulös (daher die von jedem Fischliebhaber so geschätzten Flakes) und so schmackhaft, dass wir die Haut am liebsten nur mit Maldon-Salz versehen, ihn einige Stunden auf einem Küchentuch im Kühlschrank lagern und dann auf der Haut knusprig in einer japanischen Pfanne braten.
Dazu etwas Naturzitrone und japanischer Reis und fertig ist ein ein köstliches Gericht mit viel Omega 3 Fettsäuren und Geschmack.
Ist Multitasking gefragt, lassen sich die Skrei Lenden auch hervorragend im Ofen schmoren, je nach Dicke 10 – maximal 15 Minuten bei hoher Ofentemperatur.
Dazu passt im Grunde alles, Reis, frisches Weißbrot, nahezu jedes Gemüse wie beispielsweise Lauch oder Bohnen, oder beides kombiniert, ein Graupenrisotto oder leckeres Kartoffel-Püree. Der Star auf dem Teller ist der Skrei.
Dazu ein Weißwein, der ähnlich wie der Skrei in der kalten See sich in schwerem Gestein und kühlen Temperaturen (cold climate wine) durchsetzen musste und unter der Aufsicht eines guten Winzers Klarheit und Mineralität entwickeln konnte. Mehr braucht es nicht zum Fisch
Nicht nur am Freitag
In Zeiten vor dem Homeoffice war Freitag in England ein beliebter Tag für Fish & Chips. Die harte Woche war vorbei, jeder hatte einen bevorzugten Fischhändler und mit einem in Papier eingewickelten Fisch & Chips mit ordentlich Essig darauf war der Start in das Wochenende perfekt.
Kabeljau und vor allem Skrei oder im englischen Cod genannt, liefert dafür den bestmöglichen Fisch.
Mittlerweile wird Fish & Chips im Restaurant reserviert und wenn Sie das Traditionsgericht in einer Sportsbar genießen sehen Sie möglicherweise Erling Braut Haaland dazu auf dem Bildschirm, der für Manchester City die Chancen in Tore verwandelt.
Erling Haaland ist übrigens der offizielle Botschafter für Fisch aus Norwegen. Wir können Ihnen nicht versprechen, dass Sie nach dem Genuss von Skrei zum gefeierten Fußball-Professional werden – ein hervorragendes Mahl werden Sie aber auf jeden Fall genießen können.
Titelfoto Lofoten © Alamy Stock Foto