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DRY JANUARY – TO BE CONTINUED

DRY JANUARY – TO BE CONTINUED

 

So macht Null Alkohol Spaß

Nach den schönen Feiern im Dezember, rät die Vernunft zu einem Januar ohne Alkohol. Mit den richtigen Getränken wird aus der Pflicht ein Vergnügen.

Wasser ist der Anfang

Im Dezember haben wir noch Champagner im Keller eingelagert und uns gefreut, dass Berry Bros. & Rudd, unser Lieblingsweinhändler in London, endlich wieder den hervorragenden Speyside Whisky auf den Kontinent liefern kann. Ein Brexit-Hindernis weniger.

Aber am 1. Januar war Schluss mit jeder Form von Alkohol. Dry January ist längst vom Trend zur breiten Bewegung geworden, zu der sich mittlerweile auch der Sober October gesellt hat.

Immer mehr Menschen verzichten freiwillig kürzer oder für längere Zeit auf Alkohol. Bei vielen steht der Wunsch (am nächsten Morgen) einen klaren Kopf zu haben, an erster Stelle. 

So steht zunächst meist nur Wasser auf dem Tisch, wo zuvor Wermut und Weine standen. Mit der Zeit wird das den meisten zu fad.

Lust auf mehr Geschmack

Veränderte Trinkgewohnheiten haben einen neuen Markt geschaffen. In den USA wird allein der Markt nichtalkoholischer Weine und Biere bereits im Jahr 2025 auf über 30 Milliarden US Dollar jährlich prognostiziert (Global Market Insights).

Geschmacklich kann jedoch aus unserer Sicht der nichtalkoholische Wein oder Wein mit reduziertem Alkoholgehalt nicht reüssieren. Ähnlich beim Bier. So gerne wir ab und zu vegetarisch essen, die vegetarische Wurst — ein überflüssiges Produkt.

Ein gutes französisches oder italienisches Restaurant im Januar aufzusuchen und auf hervorragenden Wein zu verzichten fällt schwer. Daher stehen im Januar vermehrt asiatische Restaurants in unserem Kalender.

Zu stark gewürzten Speisen wie beispielsweise Curries passt Lassi, Ayran oder Buttermilch hervorragend, die auch zuhause gut zu vielen Speisen munden.

Nur süß, das war einmal

Die Mehrzahl der Fruchtsäfte waren früher klebrig süß und meist nur als Schorle erträglich.

Heute kann man, mit etwas Mühe zugegebenermaßen, hervorragende Säfte finden, die auf Industriezucker verzichten und den eigentlichen Fruchtgeschmack zur Geltung bringen.

Auch auf der Karte in der Bar hat sich viel geändert. Sogenannte Mocktails waren einst ein Mix diverser süßer Säfte und Sirups, oft untrinkbar. So hat der Dry January wahrlich keinen Spaß gemacht.

Die Anzahl der Bars, die kreative Cocktails ohne Alkohol anbieten, die nicht nur ein langweiliger süßer Kompromiss sind, sondern Spaß machen, steigt zunehmend.

Den gewohnten Geschmack und die Komplexität qualitativ hochwertiger Alkoholika zu „ersetzen“ ist allerdings anspruchsvoll. Nicht selten sind die Restaurants, die hier viel Kreativität, Zeit und Arbeitskraft investieren auch im Guide de Michelin gelistet.

In bester Begleitung

Bei einem mehrgängigem Menü im Restaurant entscheiden wir uns nur selten für die Weinbegleitung. Zu groß ist die Vielfalt an Weinen, aus unterschiedlichen Terroirs und mit der individuellen Stilistik des jeweiligen Weinkellers ausgestattet, zumal jeder Teller eines Top-Restaurants bereits ein Feuerwerk an Aromen bieten kann.

Zudem ist nach so vielen unterschiedlichen Weinen und sonstigen Spirituosen der nächste Tag voraussehbar schwierig zu bestehen.

Die nicht-alkoholischen Begleitungen in guten Restaurants werden jedoch immer attraktiver und am nächsten Tag droht kein Kater.

Restaurants wie das Memories in Bad Ragaz, oder das Essigbrätlein in Nürnberg (beide mit Michelin-Sternen ausgezeichnet) stellen alle nicht-alkoholischen Getränke selbst in der Küche her. Verarbeitet wird was Garten und Feld liefern können wie Gerste, Sanddorn, Kirschblüten, Kohlrabisaft und vieles mehr, in raffinierten Kombinationen mit Heuaromen, Schmand oder Kakaobutter.

In vielen guten Restaurants sind die Kombinationen an nicht-alkoholischen Getränken so kreativ (und in der heimischen Küche kaum darstellbar, da mit Emulsionen, Öl, Röstaromen, Fermentieren, selbst angefertigten Sirupen aus Kräutern, und anderen Techniken gearbeitet wird) dass eine Entdeckungsreise am Restauranttisch viel Vergnügen bereitet.

Kein Wunder, dass nicht alkoholische Menü-Begleitungen in manchen Restaurants bereits vorab bestellt werden müssen. Allein die entsprechende Logistik benötigt oft ein Vielfaches an Aufwand im Vergleich zum Gang in den Weinkeller.

Wenn der Abend kommt

Im eigenen Zuhause sind Kräuterelixiere ein Einstieg, wenn es Abends dunkel wird und ein Wermut in einem schönen Glas mit Zitrone oder Orange und klirrenden Eiswürfeln eine gute Idee wäre.

Produzenten wie beispielsweise Dr. Jaglas, (die Historie liegt hier im Wissen der Apotheke) haben sich darauf spezialisiert Geschmacksnoten wie Hibiskus, Blutorange, Kardamom, Minze und andere Zutaten zu kombinieren, die mit Tonic und Limettensaft einen nicht-alkoholischen Apero ergeben.

Wir haben mit der Hibiskus-Variante experimentiert und das Tonic Water größtenteils durch kalten Hibiskus-Kräuter-Tee ersetzt. So kommt der Geschmack der Kräuter besser zur Geltung.

Wer versucht, den alkoholfreien Januar auch als gute Gelegenheit zum Abnehmen zu nutzen, sollte vorsichtig sein. Einige Botanicals und Tonic Water-Varianten enthalten relativ viel Zucker.

Kalte Kräutertees im Mix sind eine gute Idee, die den Geschmack herber gestalten und die Anzahl der Kalorien pro Glas reduzieren.

In der alkoholfreien Zeit sollte man zudem stets Limetten, Zitronen, Orangen und Granatäpfel im Haus haben. Der Saft dieser Früchte eignet sich ideal, einem kalten Tee, der vom Tag im Homeoffice übrig geblieben ist einen Kick zu geben.

Und natürlich verleiht jeder Twist einer Naturzitronenschale auch jedem nichtalkoholischen Drink eine edle Note.

Siehe auch

Zurück zur Natur

Falls Sie in weiser Voraussicht einen Entsafter auf den weihnachtlichen Wunschzettel geschrieben haben oder bereits seit langer Zeit damit arbeiten, sind Sie in Sachen nicht-alkoholischer Getränke fein raus.

Unsere Lieblingskombination haben wir im hervorragenden Buch LEAF to ROOT gefunden: Birnen-Fenchelstiel Saft:

2-3 EL Zitronensaft

200 Gramm Fenchelstiele

350 Gramm Birnen

Die Fenchelstiele und die Birnen kommen in den Entsafter und werden mit dem Zitronensaft gemischt. Fertig. Wir lieben diese Kombination und mischen gerne auch ab und zu etwas frischen Ingwer dazu.

Das Auge trinkt mit

Jedes nicht-alkoholische Getränk hat ein feines Glas verdient. Der hervorragende naturtrübe Apfelsaft gehört nicht ins Kinderglas sondern in ein Glas, das sonst feine Weißweine aufnimmt und auch der Saft von Kirschen, Granatäpfeln oder feinen Johannisbeeren fühlt sich in einem schönen Rotweinglas wohl.

Die Optik ist wichtig. Keinen Alkohol zu trinken soll keine visuelle Strafe sein, sondern ein ebenso großes Vergnügen.

Zero?

Der Dry January hat sich bei GloriousMe zum Genussmonat entwickelt und es macht sehr viel Spaß, die eigenen Drinks Schritt für Schritt weiterzuentwickeln: Ein Saft von weißen Pfirsichen erhält mit einem kleinen Schuss Zitronenöl eine interessante Note. Serviert mit Eiswürfeln in einem edlen Glas – das reinste Vergnügen.

Werden wir eine Zero-Jahr anstreben? Nein. Zumal wir gerade in Düsseldorf mit Chez Olivier eine sehr interessante neue Adresse für Naturweine und ausgewählte Champagner entdeckt haben.

Aber der Genuss nicht-alkoholischer Getränke und der Spaß an neuen Kombinationen wird immer mehr Raum einnehmen. We keep you posted.

Fotografie © GloriousMe

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