Wir sprechen über die Klimakrise, haben aber die Wolle fast vergessen
Eines ist sicher: Es wird kalt. Da hilft nur Wolle.
Wohlige Wolle
Textilien, die aus Wollfasern produziert wurden, haben den unschätzbaren Vorteil, dass sie atmungsaktiv sind und Feuchtigkeit aufnehmen können.
Aufgrund dieser Eigenschaften, die unter anderem auf die vielen winzigen Luftbläschen in der Struktur des Gewebes zurückzuführen sind, passen sich Kleidungsstücke aus Wolle permanent der Körperwärme an, wirken kühlend im Sommer und wärmen in kühleren Temperaturen.
Was beim Heli-Skiing und bei der Marine gute Dienste leistet, ist auch beim stundenlangen Sitzen im Homeoffice oder im Bürogebäude eine gute Idee.
Welche Wolle hätten Sie gerne?
Schafwolle
Bei Wolle denken wir meist an Wollfasern, die von Schafen gewonnen werden. Die Bezeichnung Schurwolle bedeutet, dass die Wolle vom Tier geschoren wurde, im Vergleich zu Wollfasern, die aus einem Recyclingprozess stammen.
Merinowolle
Die sehr leichte Wolle stammt von Merino-Schafen, einer besonderen Züchtung, deren Wolle besonders geschätzt wird, da sie die wärmenden Eigenschaften der Wolle mit Leichtigkeit verbindet.
Gut nachvollziehbar, dass die klassischen schwarz-weiß-gestreiften Pullover der Gondoliere in Venedig zu 100 Prozent aus australischer Merinowolle bestehen und so im heißen Sommer und im Novembernebel beim Arbeiten auf der Gondel angenehm zu tragen sind.
Angorawolle
Stammt vom Kaninchen. Selbstverständlich achten gute Hersteller auf das Tierwohl, so dass Sie ruhigen Gewissens weiterlesen können. Unterwäsche aus Angorawolle ist in kalten Winternächten, die man draußen verbringt, ein hervorragender Kälteschutz. Gilt auch für ICE-Abteile, in denen die Heizung ausgefallen ist.
Kaschmirwolle
Die extrem leichte, feine Wolle von der Kaschmirziege hat ihren Preis, ist jedoch aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften ein Material, dass sich bezahlt macht. Ein Kaschmirpullover kennt keine Jahreszeit. Ein Wintermantel mit einem hohen Kaschmiranteil schmiegt sich hervorragend an, wärmt und ist gleichzeitig fast federleicht.
Wolle auf verlorenem Posten?
Der Anteil von Wollfasern in der Textiproduktion ist weltweit seit vielen Jahren rückgängig und die insgesamt leicht steigende Wollfaserproduktion ist darauf zurückzuführen, dass immer mehr Wollfasern im Heimtextilienbereich eingesetzt werden.
Auch zur Freude der Feuerwehrleute, denn Heimtextilien aus Wollfasern produzieren im Fall eines Brandes weit weniger Rauch und Giftstoffe als synthetische Fasern.
Fast vergessen, trotz hervorragender Öko-Bilanz
Wolle ist zu 100 Prozent recyclingfähig und zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Wir alle kennen die Videos, die Berge von Plastikabfällen im Meer zeigen und die Bilder riesiger Plastikdeponien in ärmeren Ländern. Zu Recht sind wir entsetzt und haben gerne auf Plastikstrohhalme verzichtet.
Nicht so bekannt ist jedoch die Tatsache, dass bei der Wäsche von Kleidungsstücken, die aus Kunstfasern bestehen, jedes Mal Plastikteilchen ausgeschwemmt werden, die in unseren Gewässern landen.
Beim Waschen von Fleece-Jacken, die gerne mit heiler Natur im Hintergrund vermarktet werden, gelangen pro Kilogramm je 89 Milligramm Mikroplastik in das Abwasser. Das addiert sich schnell.

King Charles III lies Pullover vergraben
King Charles III hat 2010 in England die „100 Prozent Wolle Kampagne“ ins Leben gerufen, die sich dafür einsetzt, den natürlichen Stoff Wolle stärker in das Bewusstsein zu rücken.
Um den biologischen Abbau von Wolle im Vergleich zu Kunstfasern zu demonstrieren, hat er vor laufender Kamera zwei Pullover auf seinem Landsitz eingraben lassen: Einen Pullover, der zu Hundert Prozent aus Wollfasern hergestellt war und einen Pullover aus Synthetikfasern.
Der Wollpullover hat sich nach relativ kurzer Zeit zersetzt und war in den Naturkreislauf, quasi das Recycling der Natur übergegangen, während die Plastikfasern noch viele Jahrzehnte den Boden des königlichen Gartens verschmutzen werden.
Wer mehr über die inspirierende Kampagne 100 Prozent Wolle erfahren möchte, findet hier den interessanten Film „Why Wool matters“.
Schafzüchter verbrennen Wolle
Während der COVID-Pandemie fiel der Preis der Schafwolle so radikal, dass der Dieselkraftstoff für den Transport der Wolle in das nächste Depot mehr gekostet hätte, als die Schafzüchter als Verkaufspreis für die Wolle und damit als Lohn für ihre harte Arbeit hätten erzielen können.
Im englischen Königreich begannen daher einige Schafzüchter, die geschorene Wolle zu verbrennen oder als organischen Kompost zu verwenden.
Die Meldungen darüber trafen ins Mark, denn der frühere Reichtum Englands ist auch auf den Handel und die Verarbeitung mit Wolle zurückzuführen. Jedoch ist der Wollpreis bis heute nicht nennenswert gestiegen.
Im Bundestag unvorstellbar
Der Sprecher des House of Lords im englischen Parlament nimmt bis heute bei jeder Sitzung auf dem traditionellen Wollsack seinen Platz ein. Der Wollsack ist ein großer, mit rotem Stoff bezogener Stoffballen, in dem sich Wolle aus den Ländern des Commonwealth befindet.
Die Tradition des Woolsacks geht auf Edward III zurück und die Zeit, in der der Wollhandel eine der wichtigsten Einkommensquellen des Heimatlandes von Queen Elizabeth II war.

Die Suche nach Wolle
Textilien aus Wolle sind der angenehmste Weg, die Temperaturen der kalten Jahreszeit zu überstehen. Im Textilhandel muss man jedoch nach Kleidungsstücken, die zu 100 Prozent aus Wolle hergestellt sind, regelrecht suchen.
Umwelt verkauft sich bei Textilien schlecht
Sämtlichen Argumente der Ökobilanz zum Trotz – vom Einsatz fossiler Brennstoffe im Herstellungsprozess, der Verwendung giftiger Chemikalien, dem Einsatz hoher Mengen von Wasser, der geringen Formstabilität, bis hin zu Plastikauswaschungen und dem weiteren Anwachsen riesiger Pastikmülldeponien – dominiert im weitläufigen Textilhandel das Argument des Preises.
Die Produktion von Textilien aus synthetischen Fasern ist weitaus kostengünstiger und ermöglicht Fast Fashion Angebote zum Spottpreis.
Ein Blick auf die Etiketten in der überwiegenden Mehrzahl der Geschäfte führt es vor Augen: Plaste und Elaste, wohin das Auge blickt. In phantastischen Farben und bisweilen durchaus flauschig anzufassen sind sie nur auf den ersten Blick interessant. Auf den zweiten Blick stellen sie ein ein ökologisches Disaster dar, das Sie im Winter frieren lässt.
Auch die auf den ersten Blick etwas unschuldigere Baumwolle, eine Naturfaser aber mit hohem Wasserverbrauch und leider oftmals noch unter enormem Einsatz von Pestiziden und Herbiziden angebaut, hilft in der Verarbeitung als glatter Webstoff nicht durch den Winter, da sie in dieser Form kühlt statt wärmt.
Da war doch was
Feinripp und Doppelripp klingt nach Unterwäsche aus einer vergangenen Zeit, macht jedoch aktuell wieder viel Sinn und wird daher auch wieder in größeren Stückzahlen aufgelegt.
Die Webstrukturen von Feinripp und Doppelripp bietet zwischen den jeweiligen Rippen des Musters Platz für Luft. Die Luftzirkulation hilft, die Körperwärme zu bewahren und damit beispielsweise den empfindlichen Rücken im Winter warm zu halten.
Slow Fashion statt Fast Fashion für die kommenden kalten Tage
Investieren Sie in den höchstmöglichen Anteil an Wolle, den Sie finden können. Kleidungsstücke aus Wolle mögen es, gelüftet und leicht gebürstet zu werden, bevor sie wieder im Schrank verschwinden. Sie müssen weit seltener als Kleidungsstücke aus Synthetikfasern gereinigt werden.
Der höhere Preis amortisiert sich über den Tragekomfort dieser Kleidungsstücke, die über viele Jahre hinweg in Form bleiben. Der Gedanke, mit den Kleidungsstücken nicht zum weiteren Anwachsen der Plastikdeponien und des Plastik in den Meeren beigetragen zu haben, zahlt sich schon vom ersten Tag aus.
Laut einer Studie der International Union of Conversation of Nature stammen 35 Prozent der Mikroplastikanteile in den Weltmeeren von synthetischen Textilfasern.
Am richtigen Ende sparen
Bei der Faserqualität zu sparen, wäre kontraproduktiv: Lieber weniger Teile, dafür aber 100 Prozent Wolle.

Yak
Für die vielen Liebhaber fremder Länder unter unseren Lesern und Leserinnen haben wir noch ein visuelles Highlight am Ende unseres Plädoyers für Wollstoffe: ARTE TV produziert die hervorragende Serie FEINE STOFFE, FERNE LÄNDER.
Im Rahmen dieser Serie kann man die Produktion von Textilien aus Yak-Wolle in einem kleinen Produktionsbetrieb in Tibet kennenlernen. Die kühlen Temperaturen und eisigen Winde der Hochebenen Tibets sind für die dort lebenden Yak-Tiere im Winter mit weichem Unterhaar gut zu ertragen.
Dieses Unterhaar wird im Mai nicht mehr gebraucht und kann für das Spinnen von Wollgarnen verwendet werden. Den wunderbaren Film, den ARTE über das Unternehmen NORLHA produziert hat, werden Sie genießen und angesichts der Arbeit, die in den Textilien aus Yak-Wolle steckt, im Anschluss den größtmöglichen Bogen um Fast Fashion machen.
Falls Sie sich oder andere nach Genuss des Filmes mit einem Schal, einer Weste oder Freunde mit einem Geschenkgutschein für die Produkte aus Tibet verwöhnen möchten, finden Sie unter dem folgenden Link die Firma NORLHA.
Die Produkte können Sie dort Online bestellen. In Europa führt bislang nur Selfridges in London NORLHA Produkte.
In Japan, dem Land, in dem hervorragende Stoffqualitäten geschätzt werden und das selbst einer der wichtigsten Importeure von Wolle ist, gibt es bereits 12 Händler, die Norlha Kleidungsstücke ihrer anspruchsvollen japanischen Kundschaft anbieten.
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Titelfoto Schafe in Schottland © Peter Sandground, Almay Stock Photo
KIng Charles III and the Queen Consort during their tour of Solva Woolen Mill, Solva, Wales, 2008 © Ben Birchall, PA Images, Almay Stock Photo
House of Lords, London © Adam Woolfitt, robertharding, Alamy Stock Photo

