Kultur vor und nach dem Krieg
Gäbe es nicht die grossartigen Tempelanlagen von Angkor Wat — die Welt hätte das von Kriegen schwer geschädigte Land Kambodscha vermutlich vergessen. So jedoch denkt man bei Kambodscha nicht nur an Killing Fields sondern auch an Kultur.
Angkor Wat
Ein weiser Khmer König ließ im 10. Jahrhundert rund um eine imposante Festungsanlage, Stauseen anlegen, in denen Reis kultiviert wurde. Dieses Wasserbewirtschaftungssystem führte dazu, dass Reis mehrmals im Jahr geerntet werden konnte.
Auch das trug zum steigende Reichtum der Khmer bei und ermöglichte es, umfangreiche Tempelanlagen zu errichten. Sie zählen heute zu den wichtigsten Touristenmagneten Asiens.
Angkor Wat, Blick von der Rainbow Bridge © GloriousMe
Vom blühenden Königreich zur blutigen Diktatur
Dazwischen liegt eine blutige Zeit, in der Kambodscha in das Visier unterschiedlicher Nachbarn und geopolitischer Großmächte geriet. Im Vietnam Krieg wurde Kambodscha entlang der Grenze zu Vietnam ebenfalls bombardiert. Auch damals ohne Genehmigung des US Kongresses.
Als wären all diese Kriegsaktivitäten nicht genug gewesen, entbrannte im Land ein grauenhafter Bürgerkrieg, in dem die Roten Khmer versuchten, einen idealisierten sozialistischen Staat zu errichten, in dem nur der von Roter Khmer Propaganda geschulte Landarbeiter eine Existenzberechtigung hatte.
Andere Bevölkerungsgruppen wurden auf den sogenannten Killing Fields, von denen es etwa 300 im Land gab, grausam hingerichtet. Die rote Khmer schaffte es in ihrer Brutalität noch mehr Menschen zu exekutieren, als Mao oder Stalin in ihren Ländern.
Alles was wir aus der Ukraine kennen, vom früheren Holodomor bis zu landwirtschaftlichen Feldern, die aktuell von russischen Truppen mit Landminen bestückt werden, gab es in Kambodscha.
Zum Touristenmagnet
Im Jahr 2025 besichtigten über eine Million Menschen die Tempelanlagen von Angkor Wat. Auch GloriousMe war da. Die weitläufigen Tempelanlagen sind beeindruckend.
Den Sonnenaufgang vor der der berühmtesten Tempelansicht kann man zwar nur in einer großen Touristenmenge erleben. Die Anzahl der weiteren Touristen fällt allerdings erst dann auf, wenn die Sonne das Gelände beleuchtet und man feststellt, dass man nicht ganz alleine ist.
Im Rest der Tempelanlage und in den vom Dschungel noch überwucherten und zum großen Teil verfallenen Tempelanlagen, kann man auch heute noch alleine sein.
Es lohnt sich, mit einem kundigen Guide das Terrain zu besichtigen, um mehr über die Geschichte der Tempelanlagen zu erfahren und einsame, noch nicht restaurierte Tempelteile, die wie Lost Places wirken, zu erkunden.
Die Prasat Bayon Tempelanlage in Angkor © GloriousMe
Vielen Besuchern langt ein kurzer Blick auf den Hauptteil der Tempelanlagen, bevor sie wieder in das nahegelegene Städtchen Siem Reap zurückgefahren. Dort findet man sowohl eine global standardisierte Pub-Kultur als auch schöne alte Stadtviertel mit interessanten Gallerien und Restaurants. Wer letzteres bevorzugt, wird sich im früheren Foreign Correspondents Club wohlfühlen, das heute als Hotel genutzt wird.
Kultur hilft, mehr als den Alltag zu sehen
Die herausragende Restaurierung von Angkor Wat wäre dem armen Land Kambodscha nicht allein möglich gewesen. Infolge des langen, blutigen Bürgerkrieges gab es keine geschulten Handwerker, Restauratoren und Kunsthistoriker mehr. Sie waren entweder tot oder hatten das Land verlassen.
Als sich Kambodscha nach Ende des Bürgerkrieges am Ende der 80er Jahr langsam wieder öffnete, sah der privat organisierte World Monuments Fund eine einmalige Chance und begann auf Bitten der damaligen kambodschanischen Regierung mit der Royal University of Fine Arts in Phnom Penh die Planungen für die Restaurierungsarbeiten an der Tempelanlage von Angkor Wat.
Nachdem das Tempelgelände zunächst von Landminen befreit worden war, begann ein umfangreiches Ausbildungsprogramm: Kambodschanische Handwerker, Restauratoren und Studenten wurden geschult und der heutige Angkor Archaelogical Park gegründet.
Über dreißig Jahre hat der World Monuments Fund die Restaurierungs- und Ausbildungsarbeiten finanziert und fachlich geleitet, bis 2024 der Angkor Archaelogical Park der nationalen kambodschanischen Behörde übergeben wurde.
Für viele Kambodschaner bedeutet die Arbeit an der Restaurierung dieser Tempelanlagen nicht nur dringend benötigtes Einkommen sondern die Verbindung zur alten Khmer Kultur.
Khmer Cuisine
Die Luxus-Hotelketten der Welt, sei es Aman, Raffles oder Park Hyatt, alle sind mittlerweile in Siam Reap vertreten, um ihren Gästen den Besuch der Tempelanlagen so angenehm wie möglich zu gestalten.
In den Hotels werden gerne Kochkurse der Khmer Küche angeboten. Der kundige Reisende, der von den Roten Khmer im Geschichtsunterricht erfahren hat oder möglicherweise den berühmten berühmten Film Killing Fields über das blutige Regime der Roten Khmer gesehen hat, stutzt zunächst.
Aber er wird vom hoteleigenen Experience Manager gleich lächelnd informiert, dass es sich hierbei nicht um karge Revolutionskost handelt, sondern um köstliche Speisen, die an die jahrhundertalte Kultur Kambodschas erinnern.

Während früher Touristen oft nur für einen Tagesbesuch nach Siem Reap kamen, Angkor Wat besichtigten und dann weiterzogen, besuchen heute einige auch die Hauptstadt Phnom Penh und/oder eines der Küsten-Ressorts wie das Six Sense Krabey Island auf der kambodschanischen Seite des Golf von Thailand.
Tourismus ist für das arme Land Kambodscha eine wichtige Einkommensquelle.
Wer das berühmte Raffles Hotel aus Singapur kennt, kann auch in der Hauptstadt Phnom Pen ein Raffles Hotel genießen. Dort empfehlen wir einen Besuch in der stillvoll und sanft modernisierten Elephant Bar. Jackie Kennedy war zugegebenermaßen vor GloriousMe da, im Jahre 1967.

Die Nachbarn
Der Nachbar Vietnam war nicht immer friedvoll und freundlich. Auch China hat längst seine Fühler ausgestreckt und mittlerweile großen Einfluss in Kambodscha.
Aber es gibt auch zarte kulturelle Pflänzchen, die den Faden aus einer großen kulturellen Vergangenheit in die Gegenwart spinnen.
Die goldene Seide
Jeder der durch Asien reist, ist fasziniert von den dortigen Seidenstoffen. In Kambodscha gibt es den Mulberry Silk, Seidenstoff, dessen Fäden von Seidenraupen gesponnen werden, die sich von den Blättern der Maulbeerbäume ernähren und deren Kokons goldfarben wirken.
Diese kleine, exklusive Form der Seidenproduktion hatte unter der früheren Khmer Dynastie ihre Blütezeit und hat sich in kleinem Umfang in Kambodscha erhalten.
Traditionelle Seidenspinnerei, Kambodscha © Alamy Stock Photo
Es ist nicht leicht, diese originären kambodschanischen Mulberry Silk Seidenstoffe zu erwerben, denn 95 Prozent der aktuell in Kambodscha angebotenen Seidenstoffe stammen aus Vietnam.
Hier helfen kundige Insider oder die Hotel-Boutiquen der Luxushotels, die ihren Klienten, geschult durch Hermes und Chanel, das Optimum an Seide bieten wollen.
World Monuments Funds
Und so sind wir am Ende dieses Artikels wieder beim Wort Monuments Funds angekommen. Da die Flugpreise nach Asien aufgrund des Iran-Kriegs gerade täglich steigen, vergeht vermutlich noch etwas Zeit, bevor man eine Reise nach Kambodscha plant. Da kann man mit einer Schlafmaske aus Mulberry Silk die Augen schließen und von der nächsten Fernreise träumen.
Angkor Wat, Blick von der Rainbow Bridge © GloriousMe
Es bleibt zudem Zeit, sich mit der interessanten World Monuments Fund Organisation zu beschäftigen. 1965 von James A. Gray, einem amerikanischen Elektroingenieur gegründet, der in seiner aktiven Armeezeit einige Zeit in Italien stationiert war. Fasziniert von italienischen Kunstdenkmäler und besorgt um deren Verfall, entwickelte er einen Vorschlag, wie man den schiefen Turm von Pisa retten könnte. Sein Rat wurde nicht angenommen.
In Venedig war man offener für seine praktische Expertise und der World Monuments Fund begann, zunächst als Ein-Mann-Unternehmung ,mit der Restaurierung wichtiger Kulturdenkmäler in der Lagunenstadt.
Denkmalstiftung mit globalem Anspruch
Jahrzehnte später ist daraus eine etablierte Organisation entstanden, der es hervorragend gelingt, private Sponsoren zu akquirieren, die unschätzbare Kunstdenkmäler wie Synagogen, Kirchen, Tempel, Paläste etc. weltweit restauriert.
Neben den privaten Gönnern war der amerikanische Staat ein Geldgeber. Vermutlich ahnend, dass diese Gelder nicht mehr fließen werden, hat man begonnen mit Mode- und Museumsgrößen, wie beispielsweise dem Metropolitan Museum of Art (NY) zu kooperieren.
Und wenn in Ihrem Instagram-Feed kürzlich Diana von Fuerstenberg mit dem Fotografen Juergen Teller plaudernd in einem Palazzo in Venedig aufgetaucht ist, dann ist das ein Ergebnis dessen, dass diese Organisation die Zeichen der Zeit und die Bedeutung der Kombination von Mode und Kultur erkannt hat und erfolgreich nutzt, um das zu retten, was uns als Kultur alle am Ende retten kann.
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Titelfotografie: The Victory Gate in Angkor © GloriousMe
