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WAS WIR VON QUEEN ELIZABETH II LERNEN KÖNNEN

WAS WIR VON QUEEN ELIZABETH II LERNEN KÖNNEN

Live like the Queen 

Sechs Lektionen aus dem Leben von Queen Elizabeth II für uns alle 

This is the BBC

Die Medien weltweit berichten zum Tode von Queen Elizabeth II. Dabei werden viele Klischees bedient, Geschichten vom Hörensagen erzählt und so mancher Kommentator meint, im Nachruf provozieren zu müssen.

GloriousMe verfolgt indes die ausführliche Berichterstattung der BBC, die in den zehn Tagen der protokollarischen Trauerzeit nahezu rund um die Uhr live vor Ort berichtet und in unzähligen Interviews Menschen zu Wort kommen lässt, die Queen Elizabeth II persönlich begegnet sind.

Zahlreichen historische Aufnahmen und Dokumente ergänzen unser Bild einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, denen Millionen von Menschen gerade ihren Respekt beweisen.

Diese Anteilnahme ist nicht royalem Prunk geschuldet, der sich bei stundenlangem Warten im Regen an einer Landstraße oder entlang des Ufers der Themse, um den Sarg von Queen Elizabeth II noch einmal für wenige Minuten oder Sekunden zu sehen, schnell verflüchtigt.

Viele Menschen spüren, dass mit dem Tod der Königin eine Ära zu Ende gegangen ist, die vom kurzfristigem Aktionismus politischen Geschehens weit entfernt war.

Sieben Lektionen 

aus einem facettenreichem Bild kristallisieren sieben Eigenschaften der verstorbenen Königin, die uns allen gut anstehen.

Service

Das Dienen einer Souveränin, die bis zum Ende ihres Lebens ihre Aufgabe mit Disziplin und Distinktion erfüllte, wird ausnahmslos von allen mit Bewunderung erwähnt. 

Der Historiker und Kommentator Simon Schama hat Queen Elizabeth II und Prince Philip am Tag des Diamantenen Kronjubiläums begleitet. Die Organisatoren waren auf die Idee gekommen, eine Schiffsparade auf der Themse zu organisieren. Das Wetter an diesem 3. Juni 2012 war keineswegs königlich.

Hefte Winde und eiskalter Regen peitschten über das Boot, auf dem Queen Elizabeth II und Prince Phillip standen und die Therese entlang fuhren, begleitet von vielen Begleitbooten und mit Tausenden Zuschauern an den Ufern der Themse.

Simon Schama berichtet in seiner Würdigung der Königin in der Financial Times, wie der kleine Regenschutz, der die Sichtbarkeit nach allen Seiten ermöglichen sollte, bald überfordert war und sich auf den Stühlen, die auf dem Bootsdeck für die Queen und ihren Prinzgemahl bereit standen, bald schon Pfützen bildeten, die ein kurzes Sitzen und Ausruhen unmöglich machten.

 „Sie standen und standen im eiskalten, peitschenden Regen, winkten, lächelten meist und standen.“ Prinz Philip musste am darauffolgenden Tag ins Krankenhaus eingeliefert werden und Simon Schama fragte sich in Bezug auf Queen Elizabeth II:„Warum tut sie das? Und gab sich sofort selbst die Antwort: Weil sie sagte, sie würde es tun.“

Der Abstand zu vielen Personen, die das dienen oder selbst die Erfüllung ihrer Aufgaben für überflüssig halten, ist groß wie ein Burggraben. Das Gegenteil hat Bestand.Substance

Das Schicksal, die Abdankung ihres Onkels und die Erbfolge haben darüber entschieden, dass Queen Elizabeth II den Thron des englischen Königshauses bestiegen hat. Sie hat diese Rolle mit Substanz ausgefüllt. Den Friedensprozess in Irland hat sie mit den ihr eigenen diplomatischen Mitteln vielbeachtet gefördert, trotz der tiefen Verletzungen, die das Attentat der IRA auf Mitglieder ihrer engsten Familie verursacht hatte. 

Viele Zeitzeugen berichten über ihr großes Interesse an Geschichte und Politik und ihre Wissbegier, stets dazuzulernen.

Die großen geschichtlichen Zusammenhänge zu erkennen ist für uns alle wichtig. Wer gleich morgen etwas dazulernen möchte, dem empfehlen wir dringend das Buch „Entscheidung in Kiew. Ukrainische Lektionen“ des Osteuropa Experten Karl Schlögel. 

Self-Consciousness

Die Berater und Experten,  Queen Elizabeth II Ratschläge gaben, waren zahlreich und notwendig angesichts der Spannbreite der Themen. Viele von ihnen berichten, dass Queen Elizabeth II ihnen aufmerksam zuhörte, aber stets ihr eigenes Urteil fällte.

Sie stand zu ihren Entscheidungen und hätte sich, wenn es doch mal einen besseren Weg gegeben hätte, nie damit entschuldigt, dass eine Expertenkommission oder hochkarätige Berater ihr dazu geraten hatten.

Smile

Ein echtes Lächeln ist kostbarer als jeder Diamant in den Kronen des englischen Königshauses. Wir sind fasziniert von dem Lächeln und dem offenen Lachen der Königin, die wir in allen Dokumentationen über ihr Leben in ihrem Gesicht sehen konnten.

Welch ein Unterschied zu dem gekünstelten Lächeln, das im Moment in dem die Kamera angeht angeknipst wird und sofort erfriert, wenn die Kamera eine andere Perspektive einnimmt. 

Beobachtet man die Gesichter der Menschen, die Queen Elizabeth II begegnet sind,  in dem Moment, in dem sie über ihre persönlichen Begegnungen sprechen, erscheint auf den ersten Gesichtern ein strahlendes Lächeln.

Bei allen. Beim obersten Kommandierenden des First Battalion der Grenadier Guards Scotland, beim Chief der Royal Airforce, bei Menschen, die nachts um zwei auf einer kleinen schottischen Insel aufgestanden sind, um die Fähre und anschließend den Zug nach Edinburgh nicht zu verpassen, weil sie ihrer verstorbenen Königin die letzte Ehre erweisen wollten.

Sie alle beschreiben, dass sie bei ihren Begegnungen den Eindruck gewonnen hatten, dass sich Queen Elizabeth II für sie und ihre Geschichte interessierte. 

Style

Stil ist in Details sichtbar und erlebbar, unabhängig von der Größe eines Budgets. Stil ist immer verbunden mit Qualität und Substanz sowie dem Mut, dem jeweils aktuellen Trend nicht zu folgen.

Stil bedeutet für den neuen König, Kleidungsstücke selbstverständlich ändern und reparieren zu lassen, auch wenn das königliche Budget spielend einen Neukauf ermöglicht. Wer möchte, kann das Interview des damaligen Prince Charles mit der englischen Vogue zu diesem Thema hier nochmals sehen.

Siehe auch
Neue Freunde zu suchen ist wichtig.

Stil bedeutete bei Queen Elizabeth II, die schottischen Landfrauen, die angefragt hatten, ob sie zum 70. Jubiläum des schottischen Landfrauenverbandes eine Fahne zu Ehren der Könige anfertigen dürften, zum Tee nach Schloss Balmoral zu bitten und ihnen Sandwiches beim High Tea anzureichen.

Sowohl Queen Elizabeth II als auch ihr Sohn Charles III zeigen in Details von Farben und Stoffen stets Empathie für den Ort, den sie gerade besuchen und auch hier sind es die kleinen Details, die differenzieren und überzeugen.

Als Prinz Charles III die St. Giles Cathedral in Edinburgh verlässt, die er nach der Trauerfeier dort am Morgen nochmals besucht, trägt er einen schottischen Kilt und in der Jackentasche für das Einstecktuch drücken zwei kleine Zweige des schottischen Heidekrauts die Verbundenheit seiner Mutter mit Schottland aus.

Solitude

Die Stille der schottischen Landschaften war ein Ort, der Queen Elizabeth II besonders nahe war. Schloss Balmoral in Schottland war ein Ort für sie, um Kraft zu tanken, bevor die Welt und Tausende gezückter Smartphone-Kameras wieder erwartungsvoll auf sie blickten. Die Geborgenheit des schottischen Zuhauses war ihr letzter Ort auf Erden.

 

Titelfoto © Krönungs-Porträt der britischen Königin Elizabeth II von Cecil Beaton, 1953, Teil der Ausstellung der Drawings Gallery, Windsor Castle, 2006 (Edmond Terakopian, Alamy Stock Foto)

Bilder der Royal Mail, Portraits von Königin Elizabeth II, die zu ihrem 80. Geburtstag zu Briefmarken gemacht wurden, 2006 © PA Images, Alamy Stock Foto

Churchill mit der königlichen Familie am VE Day am 8. Mai 1945 © CBW Alamy Stock Foto

Digitale Plakatwand am 9. September 2022, London, England © xiu bao, Alamy Stock Foto

 

 

 

 

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