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ALLES IN BUTTER?

ALLES IN BUTTER?

 

Der gute Ruf der Butter schmilzt leider im Scheinwerferlicht 

Butter ist verführerisch. Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn Butterkekse und Butterstollen locken. Das gute Image der Butter schmilzt jedoch bei näherer Betrachtung.

Stressfreie Weihnachtszeit

Nach all den schönen Essen in der Adventszeit sollte es am Weihnachtstag nur vier Dinge auf dem Tisch geben: Brot, Käse und Butter, dazu ein schöner Bordeaux.

Die Logistik schien denkbar einfach. Denn so sehr wir unsere bewährten eigentümergeführten Fachgeschäfte lieben — in langen Schlangen vor den Feiertagen fröstelnd davor zu stehen, gehört nicht zu unseren Lieblingsbeschäftigungen.

Während wir nach schönen Magazinen suchten, denen wir uns in der gewonnenen Zeit mit Muße widmen wollten, fiel der Blick auf das Magazin Öko-Test und dessen Titel: „Butter. Immer teurer, fast immer schlecht: Nur eine ist „gut“.

Unsere eigene Recherche zu diesem beunruhigenden Sachverhalt zeigte, dass diese Erkenntnisse nicht neu war. Zu ähnlichen Ergebnissen war auch die Stiftung Warentest 2018 und früher gekommen. Das ist kein Trost.

Der Hauptkritikpunkt

„In 19 von 20 Produkten hat das Labor gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) gefunden, und das überwiegend in Gehalten, die wir als stark erhöht einordnen“ (Öko-Test, 12/2022)

Es langt offensichtlich nicht, mit dem Fahrrad zum Einkaufen zu fahren, um fossile Ressourcen zu schonen. Wer möchte Stoffe, die als gesundheitsschädlich eingestuft werden, auf seinem Brot wiederfinden?

Als Hauptursache für die erhöhten Werte von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen in der Butter werden in der Untersuchung von Öko-Test die Verpackung in wachsbeschichteter Alufolie sowie Reste aus Schmierölen von Maschinen genannt.

Bitte nicht wegwerfen

Auch wenn hohe Konzentrationen von Mineralölkohlenwasserstoffen gesundheitsschädlich sein können, brauchen Sie die schönen Weihnachtsplätzchen, die Sie vielleicht gerade mit viel Liebe gebacken haben, nicht wegwerfen.

Es ist immer eine Frage der Menge.

In den Untersuchungsergebnissen steckt auch eine frohe Botschaft: Gegen Schmieröl aus Maschinen sind wir als Verbraucher machtlos, aber die Verpackung lässt sich vermeiden.

Es gibt Butter, die nicht in der üblichen Alufolie verpackt ist, sondern in Papier oder frisch aus der Normandie angeliefert, unverpackt beim Käsehändler in der Keramikschüssel liegt.

Weltkulturerbe Baguette

Mit der richtigen Butter lässt sich das jüngst zum immateriellen Weltkulturerbe erklärte französische Baguette wunderbar genießen.

Das global besetzte Kommitee  UNESCO Intangible Cultural Heritage kam, nach überzeugenden Argumenten Frankreichs, zum Schluss, dass die handwerkliche Herstellung eines französischen Baguettes als „Kulturgut der Menschheit“ schützenswert sei,

Die optimale Mischung aus Mehl, Wasser, Salz, Hefe und/oder Sauerteig, das Mischen, das Kneten, die Fermentation, die Teigruhe, die manuelle Formung, die zweite Fermentation und die individuellen Schnitte in der Brotkruste, die jeder Bäcker ein wenig anders ansetzt sowie nicht zuletzt die Zeit im Ofen mit entsprechender Hitze und Feuchtigkeit, machen das französische Baguette aus.

Der Duft eines guten Baguette ist unwiderstehlich und wer hat nach dem Kauf in einer traditionellen Boulangerie, nicht einen Teil des leckeren Baguettes schon auf dem Heimweg verzehrt?

Nicht mehr an jedem Straßeneck

Aber selbst in Frankreich, in dem die Fernsehsendung „Das beste Baguette Frankreichs“, ein Wettbewerb, bei dem jeweils der besten Bäcker gekürt wird und der seit 2016 treue Zuschauer hat, ist das manuell angefertigte Baguette der Konkurrenz aus der Brotfabrik ausgesetzt.

Zum Weltkulturerbe erklärt zu werden, deutet auch daraufhin, dass es sich in naher Zukunft um etwas Exotisches handeln könnte.

Lebt man nicht in einem der Departements von Frankreich, ist die Suche nach einem guten Baguette schwierig, aber lohnenswert. Oft ist es nur eine Adresse in einer Großstadt, an der man außerhalb Frankreichs ein gutes Baguette erhalten kann.

Siehe auch
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Genussfazit

Augen auf beim nächsten Butterkauf. Öfters auch mal das Brot in gutes Orangenolivenöl mit frisch geschrotetem Pfeffer tunken. Denn gutes Öl besitzt einen höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zur Butter.

Lange Radwege zum besten Baguette-Bäcker der Stadt lohnen sich immer und wenn alles nichts hilft: Den Urlaub im kommenden Jahr in der Bretagne, Auvergne, Cognac oder in der Normandie planen.

Dort gibt es reichlich Gelegenheit, gute Bordeaux-Weine zu testen, die freundliche Weinhändler dann gerne daheim bis vor die Tür bringen lassen.

Die richtigen Gläser, beispielsweise von Lobmeyr aus Wien werden ja auf Ihren Festtagstischen stehen.

In Zeiten, in denen Schaumstoff oder Plastikbläschenfolie noch nicht erfunden waren, nutzte man flüssige Butter, um kostbare Gläser, beispielsweise aus Venedig, zu transportieren.

Die erkaltete Butter schützte das zerbrechliche Gut auf dem Transport. Von dieser Verpackungsmethode stammt der Spruch: Alles in Butter.

Wir wünschen Ihnen frohe Festtage, was auch immer auf Ihrem Tisch mit Genuss verspeist werden wir und träumen von Frankreich, das zwar „nur“ Vizeweltmeister im Fussball geworden ist, aber bei vielen Genussthemen souverän Spitzenplätze belegt.

Fotografien © GloriousMe

 

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