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Parfum Chanel N° 5. Congratulations.

Parfum Chanel N° 5. Congratulations.

Wie bleibt man 100 Jahre jung und begehrt?

 

Mit Jasmin, der Magie von Paris, Mut, guter Markenführung und hervorragenden Rechtsanwälten. Die Geschichte des Parfums ist nicht nur Glanz, sie enthält auch ein trauriges Kapitel der Zeitgeschichte.

 

Vom Geschenk zum weltweiten Bestseller

Vor hundert Jahren, am 5. Mai 1921, schenkte Coco Chanel anlässlich der Vorstellung einer neuen Kollektion ihren besten Haute Couture Kunden ein neu entwickeltes Parfum mit dem Namen Chanel N° 5.

Hundert Jahre später ist Chanel N° 5 immer noch eines der weltweit am meisten verkauften Parfums.

Jedes Jahr werden etwa 600 neue Parfums auf den Markt gebracht. Was sind die Erfolgsgeheimnisse von Chanel N° 5 ?

If you can make it there …

Coco Chanel hatte die Rechte an dem Parfum Chanel N° 5, das der Parfümeur Ernest Beaux entwickelt hatte, längst verkauft, als es im entscheidenden großen US Markt zum Erfolg wurde.

Die Rezeptur von Chanel N° 5 und die überwiegende Mehrheit der Vermarktungsrechte hatte Coco Chanel an die Familie Wertheimer veräußert.

Die jüdische Familie Wertheimer musste 1940 vor den Nationalsozialisten von Paris über Bordeaux nach Spanien und weiter nach Südamerika fliehen. Dort erhielt die Familie ein Visum für die Vereinigten Staaten von Amerika.

So wurde Chanel N° 5 von da an nicht mehr in der Nähe von Paris produziert, sondern in Hoboken, New Jersey. Damals war Hoboken noch nicht trendy sondern bridge-and-tunnel, wie man in politisch unkorrekten Zeiten diejenigen nannte, die nicht auf der teuren Halbinsel Manhattan wohnten.

Verkauft wurde und wird mit jedem Flakon Chanel N° 5 das Flair von Paris.

 

Auch Jasmin war im 2. Weltkrieg Schmuggelware

Die Familie Wertheimer wusste um die Bedeutung des großen US Marktes und wollte die Produktion von Chanel N° 5 auch in Kriegszeiten nicht unterbrechen.

Dazu war jedoch das ätherische Öl des Jasmins aus dem französischen Ort Grasse wichtig. Dieser wichtige Bestandteil des Parfums ließ sich nicht ersetzen.

Ein Vertrauter der Familie wurde nach Europa geschickt, das gerade vom zweiten Weltkrieg verwüstet wurde, um Jasmin im französischen Grasse einzukaufen. Es gelang ihm eine entsprechende Menge Jasmin zu erwerben und in die Vereinigten Staaten von Amerika auszuführen.

In Chanel N° 5 steckt daher nicht nur das ätherische Öl der Jasminblüten aus Grasse sondern auch sehr viel Wagemut.

Zunächst schien es ein guter Deal zu sein

Coco Chanel hatte die Idee, ein Parfum zu entwickeln, das im Vergleich zu den anderen damaligen Parfums nicht einen leichten Blütenduft wie die Rose in den Vordergrund stellte oder ein von Amber und Moschus geprägter, eher schwerer süßlicher Duft war. 

Sie wollte einen komplexen, eleganten Duft und bekam ihn. Ihr fehlten jedoch die Vertriebskanäle und möglicherweise auch die Lust, sich mit den Anforderungen einer standardisierten Produktion zu beschäftigen.

So schien es ein idealer Deal – die Rezeptur und Vermarktungsrechte an Chanel N° 5 zu verkaufen. Zwanzig Prozent gingen an den damaligen Besitzer des Kaufhauses Galeries Lafayette, siebzig Prozent an die Familie Wertheimer, die die Produktion des Parfums übernahm und zehn Prozent verblieben bei Madame Chanel.

Der einzige der, bis auf einen neuen Arbeitsplatz als Parfumeur dabei leer ausging, war Ernest Beaux, die „Nase“ hinter Chanel N° 5.

Mit Beginn des zweiten Weltkrieges ließ Coco Chanel ihr Modegeschäft ruhen. Im Geschäft in der Rue Cambon wurden keine Kostüme, Kleider und Abendroben mehr verkauft. Es gab nur noch einen Artikel: Das Parfum Chanel N° 5.

Anfänglich standen deutsche Offiziere Schlange, um einen Flakon zu erwerben, später wollten amerikanische Soldaten in Form eines Flakons Chanel N° 5 ein Stück Paris nach Hause bringen.

Coco Chanel war wütend

Als Coco Chanel sah, welchen großen Erfolg Chanel N° 5 dank der emigrierten Familie Wertheimer in den Vereinigten Staaten hatte, wollte sie den Vertrag anfechten und stützte ihre Klage darauf, dass der zwischenzeitliche Verkauf der Firma in Frankreich ein Scheinverkauf war, um die Konfiszierung jüdischen Eigentums durch die Nationalsozialisten zu verhindern. 

Man einigte sich schließlich auf einen Vergleich, da Coco Chanel angefangen hatte, das Gerücht zu streuen, Chanel N° 5 entspräche nicht mehr ihren Qualitätsvorstellungen und drohte, neue Parfumkompositionen N° 7, N° 8, N° 9 etc. unter einem leicht veränderten Markennamen zu vermarkten.

Offensichtlich wollte die Familie Wertheimer nicht abwarten bis Coco Chanel mit Chanel 4711 den einmaligen Nimbus des Namen Chanel N° 5 völlig verwässert hätte und ihrem eigenen Namen sowie der Marke Chanel einen ebenso großen Reputationsschaden zugefügt hätte.

Madame Chanel wurde durch diesen Vergleich sehr vermögend. Die Familie Wertheimer ist jedoch bis heute im Besitz des Unternehmens Chanel.

Das Unternehmen ist nicht an der Börse gelistet und hat vor drei Jahren freiwillig erstmals Zahlen zum Geschäftserfolg veröffentlicht.

Im Geschäftsjahr 2020, dem ersten Jahr nach dem Ableben des langjährigen Chanel Designers Karl Lagerfeld, verzeichnete das Unternehmen Chanel einen Umsatz von US Dollar 12,3 Milliarden und einen Ertrag von US Dollar 3,5 Milliarden.

Details der jeweiligen Einkommensströme werden nicht veröffentlicht. Insider schätzen jedoch, dass Parfum und Kosmetik einen nicht unerheblichen Anteil zur Wertschöpfung beitragen.

Das Parfum mit eigener Biografie

Chanel N° 5 ist eine Ikone und besitzt eine eigene Biografie: The Secret of Chanel N° 5. The Biography of a Scent“. Das Buch von Tilar J. Mazzeo (2010) beschreibt ein Stück Zeitgeschichte und ist spannend zu lesen, auch wenn man sich beruflich oder privat nicht ausführlich mit Parfum beschäftigt.

Über Coco Chanel selbst gibt es nahezu 60 Biografien, inklusive ihrer eigenen publizierten Erinnerungen, die eher die strahlenden Themen ihres Lebens betonen.

Ihr Erfolg, sich in der Modewelt erfolgreich durchzusetzen, ist unbestritten. Die Entscheidung des Hauses Chanel den Vornamen Gabrielle stärker in den Vordergrund zu stellen, ist eine smarte Markenstrategie. Sie verjüngt die Marke und legt gleichzeitig den Fokus stärker auf die die Leistungen der jungen Gabrielle Chanel als Modeschöpferin.

Vom Kloster nach Klosters

Als junge Halbwaise wuchs Gabrielle Chanel in armen Verhältnissen auf und wurde zur Erziehung in das Waisenhaus des Zisterzienserklosters im französischen Aubazine übergeben. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie als sehr vermögende Frau in der Schweiz.

Einige der Biografen von Gabrielle Chanel gehen davon aus, dass die Erziehung im Zisterzienserkloster wesentliche Grundsteine für das spätere Parfum Chanel N° 5 gelegt haben.

In der strengen geometrischen Architektur des Klosters spielt die Zahl Fünf, das Pentagon, eine wichtige Rolle und wie in den meisten Klöstern gehörte auch zu diesem Kloster ein umfangreiches Herbarium.

Wir verdanken Klöstern also nicht nur den köstlichen Likör Chartreuse sondern auch Chanel N° 5.

Gabrielle Chanel lernte im Kloster das Nähen. Die Düfte des Herbariums und der Duft des in einem Kloster traditionell verwendeten Weihrauchs sowie die sonntäglichen Spaziergänge der Waisenkinder durch die Landschaft der Corrèze sind vermutlich sehr prägende Eindrücke gewesen sein, die ihre Kreativität und ihren späteren Geschäftssinn gleichermaßen geschärft haben dürften.

Siehe auch

Die Ikone Chanel N° 5

Der Parfumeur Ernest Beaux hatte Gabrielle Chanel eine Reihe möglicher Düfte vorgestellt. Ihre Entscheidung fiel auf eine Duftkomposition, die in ähnlicher Rezeptur bereits für den russischen Zarenhof entwickelt worden war und die bis heute weltweit geliebt wird.

Die Ziffer 5 betrachtete Madame Chanel als ihre Glückszahl. Neue Kollektionen stellte sie jeweils am 5. Mai vor. Am 5. Mai 1921 parfümierte sie die Räume ihres Ateliers und schenkte ihren Kunden im Anschluss an die Vorstellung einer neuen Kollektion einen Flakon des Parfums Chanel N° 5.

Der Flair von Paris und die Exklusivität von Haute Couture waren und sind bis heute untrennbar mit dem Parfum Chanel N° 5 verbunden.

Als Marilyn Monroe in einem Interview gefragt wurde, welche Nachtwäsche sie bevorzuge, antworte sie: Nichts, außer Chanel N° 5.

Marilyn Monroe wurde für diese Aussage nicht von Chanel bezahlt. Sie wollte mit dem Hinweis auf Chanel N°5  ihrer eigenen Person zusätzliches Prestige verleihen und ahnte wohl, dass diese Aussage nie mehr vergessen würde.

Bitte in den Wortschatz aufnehmen

Sillage nennt man den Duft, den ein Parfum in den unmittelbaren Umgebung einer Person, die dieses Parfum trägt, im Raum hinterlässt. Früher nur in Fachkreisen verwendet, wandert der Begriff immer stärker in den allgemeinen Sprachgebrauch.

Den Duft, den Chanel N° 5 hinterlässt, ist bis zu einem gewissen Grad abhängig von der jeweiligen Person, die ihn trägt. Den größten Unterschied macht jedoch die Darreichungsform von Chanel N° 5.

Falls Sie sich selbst oder jemand anderen mit dem Geschenk eines Flakons von Chanel N° 5 verwöhnen wollen, testen Sie den Duft zuvor in den unterschiedlichen Darreichungsformen.

Der Duft des Extrait Chanel N° 5, des Eau des Parfum Chanel N° 5 und des Eau de Toilette Chanel N° 5 unterscheiden sich sehr stark.

Chanel selbst spricht von den Drei Sillagen von N° 5 als drei Interpretationen eines Musikstückes: „Das Extrait mit seiner reichhaltigen und kostbaren Sillage ist eine philharmonische Interpretation. Die großzügige, raffinierte Sillage des Eau de Parfum steht für die klassische Version. Das Eau de Toilette, leichter und dezenter, verkörpert die akustische Interpretation.“

Welche Interpretation Sie bevorzugen, ist eine Frage des Geschmacks und des Budgets. Die Ingredienzen eines hervorragenden Parfums sind kostbar. Mehr dazu in unserem Artikel zum Thema Duft.

Über eine Million Euro für ein Fass Chanel No 5

So titelte die Neue Zürcher Zeitung im Jahr 2005, als es um den Vergleich der Preises für ein Fass Rohöl ging, das damals in London für US Dollar 56,15 gehandelt wurde. Hätte der Fassinhalt aus Milchkaffee der Marke Starbucks bestanden, hätte das Fass Euro 1,875 ,-gekostet. Wäre es mit Chanel N° 5 gefüllt, hätte man Euro 1.865.248,- Euro dafür bezahlen müssen.

Betrachten Sie den Preis für ein gutes Parfum als Investment in Flair und Ausstrahlung. GloriousMe würde nie eine Videokonferenz beginnen, ohne zuvor zum Flakon gegriffen zu haben.

Fotografien © GloriousMe 

 

 

 

 

 

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