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DER GELBE CHARTREUSE. DIGESTIF MIT STIL

DER GELBE CHARTREUSE. DIGESTIF MIT STIL

Chartreuse Jaune

Eiskalt serviert. Im schönsten Likörglas, das Sie in Ihrem Schrank finden. Stellen Sie das Glas einige Minuten vor dem Servieren in das Gefrierfach.

 

Der gelbe Chartreuse stammt, ebenso wie der bekanntere grüne Chartreuse, aus einem Kloster des Kartäuserordens in Voiron, den französischen Auvergne-Rhone-Alpen.

Der Kräuterlikör enthält 130 unterschiedliche Kräuter und Pflanzenextrakte und ist mit 43 Prozent Alkohol in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen. Köstlicher kann man ein schönes Mahl jedoch kaum abschließen.

Nur zwei Mönche hüten jeweils das genaue Rezept des Likörs, dessen gelbe Farbe ausschließlich von den verwendeten Kräutern stammt. In der Bäckerei des Klosters befindet sich der Kräuterraum, in dem die Kräuter und andere Pflanzen getrocknet und gemischt werden, bevor sie in der 2018 neu gestalteten Destillerie mit Alkohol mazeriert und destilliert werden.

Anschließend wird der Kräuterlikör für einige Jahre im Keller des Klosters in Fässern gelagert und danach in Flaschen abgefüllt. Hier hat man Zeit, ein Qualitätsprodukt herzustellen.

Wie gut, dass die Kartäusermönche das Rezept kopierten

Im Jahr 1605 erhielten die Kartäuser-Mönche in Frankreich ein wertvolles Geschenk von Francois Annibal d’Estrées, einem Hofmarschall des damaligen französischen Königs Henri IV: Die Rezeptur eines Elixiers, das vermutlich auf einen Alchemisten des 16. Jahrhunderts zurückgeht.

Das Rezept wurde an das Mutterhaus der Mönche in den französischen Alpen, in der Nähe von Grenoble, weitergegeben. Die Komplexität des Rezeptes führte dazu, dass es den Mönchen dort erst im 18. Jahrhundert gelang, den Kräuterlikör zu produzieren und unter dem Namen „Elixir Vegetal de la Grande-Chartreuse“ zu verkaufen.

Der starke Kräuterlikör hat eine interessante, wechselvolle Geschichte.

Als Folge der französischen Revolution Frankreich mussten 1793 viele Mönche Frankreich verlassen. Die Mönche fertigten eine Kopie des streng gehüteten Rezeptes zur Herstellung des Likörs an und überliessen die Kopie einem Ordensbruder, der im Kloster in Chartreuse verblieb.

Der Mönch, der das Originalrezept auf der Flucht bei sich hatte, wurde gefangengenommen und in das Gefängnis von Bordeaux gebracht. Kurz vor seiner Verhaftung übergab er die Rezeptur einem Freund des Ordens, der diese im Anschluss an den Apotheker Llotard in Grenoble verkaufte.

Wie gut, dass ein Ministerium die Qualität des Rezeptes nicht erkannte

Monsieur Llotard verzichtete darauf, den Likör zu produzieren, schickte das Rezeptur jedoch, gemäß eines Dekretes von Napoleon, der anordnete, dass alle „geheimen“ Medizinrezepte an das damalige Innenministerium einzusenden seien, nach Paris.

Das dortige Ministerium erkannte den Wert, der sich in der Likörrezeptur verbarg nicht und schickte die Rezeptur mit dem Vermerk „abgelehnt“ zurück nach Grenoble.

Die Erben von Monsieur Llotard gaben das Rezept an die Mönche des Karthäuserordens zurück.

Zusätzlich zum grünen Chartreuse Likör entwickelten sie 1840 eine gelbe Variante, den Chartreuse Jaune.

Bis  heute produzieren die Mönche den Kräuterlikör nach dem nun wieder streng gehüteten Rezept. Nur zwei Ordensbrüder werden jeweils in das Rezept eingeweiht und kennen die 130 Kräuter und deren Mischverhältnis.  

Auch eine zwischenzeitliche Verstaatlichung der Destillerie und die Vertreibung nach Spanien haben die Mönche und ihr Likör überstanden. Die staatliche Destillerie ging Konkurs.

Freunde des Mönchsordens sicherten die Patent- und Markenrechte und übergaben sie wieder an die Kartäuser-Mönche, die zwischenzeitlich aus Spanien nach Frankreich zurückgekehrt waren.

Wie gut, dass ein Barkeeper uns mit dem Chartreuse Jaune bekannt gemacht hat

Auch diese Geschichte beginnt mit: Es war einmal … denn das Restaurant Andrej’s Oyster Bar in Düsseldorf gibt es leider nicht mehr. Es war ein wunderbarer Ort um Austern und viele andere Fischgerichte in bester französischer Art zu genießen.

Der winzige Bartresen im Lokal war zugleich ein Treffpunkt für die Köche umliegender Restaurants, die nach ihrer Schicht gerne auf einen Drink vorbeischauten.

Bei einem Besuch an einem nasskalten Februar-Abend frug der Barkeeper, ob wir nach dem Fischgenuss noch Lust auf eine Digestif-Empfehlung hätten und servierte zwei eisgekühlte Gläser mit Chartreuse Jaune. Perfekt.

Siehe auch

Gerade nach einem reichlichen Essen in der kalten Jahreszeit sind die Kräuter des gelben Chartreuse ein hervorragender Abschluss. Da der Kräuterlikör, wie alle Liköre, Zucker enthält, kann er ein Dessert ersetzen.

Falls Sie weniger Süße haben möchten, trinken Sie ihn einfach mit einem schönen großen Eiswürfel im Glas.

Bruce Springsten, Quentin Tarantino und Tom Waits

Die Kartäuser Mönche leben immer noch ein Leben in Stille und Abgeschiedenheit. Der Dokumentarfilm „Die große Stille“ von Philip Groening vermittelt einen Eindruck davon.

Die Mönche luden Philip Groening ein, einen Film über ihr Leben zu drehen. Die Bedingungen, die sie stellten: Der Film sollte ohne Filmcrew, ohne künstliches Licht, ohne Interviews und ohne Musik auskommen. Lediglich die Chorgesänge der Mönche selbst waren erlaubt.

Philip Groening nahm die Herausforderung an, lebte vier Monate in einer Mönchszelle im Kloster der Kartäusermönche und kommunizierte per Brief mit ihnen. Daraus entstand ein faszinierendes Filmdokument, das den streng geplanten und repetitiven Ablauf des Lebens im Kloster nahe bringt.

Der ungewöhnliche Film wurde unerwartet ein großer Erfolg.

80 Prozent der Novizen des Kartäuserordens treten nach kurzer Zeit wieder aus dem Kloster aus. Das strenge Leben in Abgeschiedenheit, mit Kontemplation und Arbeit stellt sich für sie als zu anspruchsvoll heraus.

Der komplexe Kräuterlikör hingegen boomt. Bruce Springsteen erwähnt ihn in seiner Biographie, Quentin Tarantino mag ihn und Tom Waits singt über ihn. So ist im kleinen Ort Voiron natürlich mittlerweile auch ein kleines Besucherzentrum zum Einblick in die Chartreuse Produktion entstanden. Selbstverständlich mit Bar und Probiermöglichkeit.

Lassen Sie sich den Genuss mit Geschichte auf der Zunge vergehen.

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