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SÜCHTIG DANACH, COOL ZU SEIN?

SÜCHTIG DANACH, COOL ZU SEIN?

Coolness war gestern, Authentizität ist heute.

Unter uns – ja!

Nichts ist so uncool, wie das Geständnis cool sein zu wollen. Mittlerweile stehe ich dazu. Aber, wie vieles im Leben, braucht es Zeit, den eigenen Standpunkt zu finden.

BY THE EDITOR // KARIN M. KLOSSEK

Über das Kompliment cool freue ich mich ungemein. Kommentiert jemand ein Bild von mir mit dem Wörtchen cool, haben er oder sie schon gewonnen. Ich gebe es zu, auch wenn ich damit zukünftige Kommentare entwerte.

Geändert hat sich jedoch meine Einstellung dazu, was es bedeutet cool zu sein. In Schul- und Studienjahren bedeutete Coolness dazuzugehören. Zu einer Clique, zu einer Gruppe, zu einem Tribe.

Jahre danach bedeutete Coolness eine schier unerreichbare Form des Perfektionismus. Der perfekte Haarschnitt, das perfekte (natürlich nahezu unsichtbare) Make-Up, der perfekte legere Kleidungsstil, dem man ansah, dass einem die Rücken der Pferde argentinischer Pampas ebenso vertraut waren wie Dover Street Market in London. Ein bestimmter lässiger und dennoch energetischer Gang durch die Metropolen dieser Welt sowie eine gewisse Nonchalance.

Auch wenn ich bei dem ein oder anderen dieser Attribute ein Häkchen machen konnte, wurde mir doch klar, dass die Perfektion der Perfektion unerreichbar bleiben würde.

Über Zeit wurde mir auch bewusst, dass der Anblick und die Gesellschaft dieser coolen Menschen (die das Wort cool natürlich nie in den Mund nehmen würden) eher langweilig, bisweilen sogar bemitleidenswert ist.

Denn letztlich folgten sie alle (mehr oder weniger angestrengt) dem ein oder anderen Trend und dem Takt, den die PR-Kampagnen wichtiger Industrien sowie deren wahre oder selbsternannte Influencer vorgaben.

Siehe auch
Netzwerken. Glorious Me empfiehlt das Buch Taking the Work out of Networking von Karen Wickre

Immer interessanter wurde dagegen der Begriff authentisch, den beispielsweise auch CoolBrands® mit seinem Panel der Cool Brands in United Kingdom als einen der wichtigsten Faktoren für eine coole Marke ansieht, neben Begehrlichkeit, Innovation und Originalität.

Im Grunde ist der Begriff cool genau das Gegenteil von hot. Hot sind die Kardashians dieser Welt. Cool diejenigen, die überraschen, die originell und authentisch sind. Und genau so möchte ich sein. Lieber nicht so leicht einzuordnen, lieber nicht so vorhersehbar, lieber nicht im Trend sondern auf einem eigenen Kurs, den andere vielleicht cool finden, vielleicht auch nicht.

Abbildung: Ausstellungsperformance der Ausstellung Rineke Dijkstra ‘The Krazy House’, MMK Frankfurt 2013

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