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French Exit

French Exit

French Exit ist ein wichtiger Begriff der Etikette um ein Fest frühzeitig und dennoch höflich zu verlassen.

 

5 TIPPS
zur perfekten Etikette

Wie verabschiedet man sich elegant von einer Feier,
die noch voll im Gange ist? Auf französische Weise.

 

Wenn Sie Bundeskanzlerin, Aussenminister der Schweiz oder die Präsidentin der EZB sind, stellt das frühe Verlassen einer Festivität kein Problem dar. Im Gegenteil — jeder freut sich, dass Sie in Ihrem dichtgefüllten Kalender Zeit für die Veranstaltung eingeräumt hatten und alle haben vollstes Verständnis, dass Sie nun zum nächsten Termin eilen.

Unter den aufmerksamen Augen aller restlichen Gäste enteilt der Gastgeber mit dem wichtigsten Gast zu dessen wartenden Fahrzeug und so mancher atmet auf, dass die Feier nun mit geringerem Sicherheitsaufwand entspannt weiter gehen kann.

Ansonsten gilt genau das Gegenteil: Wenn Sie ein Fest frühzeitig verlassen müssen, sei es, weil der Babysitter daheim wartet, Sie sich nicht ganz wohl fühlen oder den letzten Zug nach Hause erreichen möchten, sollten Sie Ihr vorzeitiges Verlassen der Party möglichst unbemerkt arrangieren.

Sich mit großer Geste frühzeitig beim Gastgeber zu verabschieden, wirkt für den Gastgeber und alle anderen Gäste irritierend und unterbricht den schönen Fluss eines Festes, das oft mit viel Überlegung und Mühe über Monate vorab geplant und vorbereitet wurde.

So verabschieden Sie sich elegant auf französische Art und werden auch weiterhin gerne eingeladen:

Was versteht man unter einem French Exit?

Die Empfehlung auf französische Art, in Amerika auch als Irish Goodbye oder politisch korrekt LPE – Low Profile Exit genannt, bezeichnet die frühzeitige Verabschiedung von einem Fest, möglichst so, dass der Gastgeber und die Mehrzahl der Gäste es nicht bemerken.

Wann ist der French Exit unangebracht?

Sich unbeobachtet zu verabschieden, ist nur bei einer privaten Festivität möglich, bei der mindestens 10-12 weitere Gäste anwesend sind und die Gäste in wechselnden Gruppen zusammenstehen oder sich über die Räumlichkeit und/oder den Garten verteilen. Bei einem privaten oder geschäftlichen gesetzten Essen ist ein französischer Abschied extrem unhöflich und wird als Affront betrachtet.

Natürlich wird jeder Verständnis haben, wenn Sie während des Essens die Nachricht erhalten, dass ein kompletter Löschzug der Feuerwehr daheim vor Ihrem Haus steht. 

Bei allen anderen Gründen gibt es nur eine Möglichkeit: Schon bei der Einladung mit dem Gastgeber darüber zu sprechen und abzusagen, weil sie nicht bis zum Dessert bleiben können.

Möchte der Gastgeber nicht auf Ihre zeitlich verkürzte Teilnahme verzichten, wird er Ihnen am Tisch einen entsprechenden Platz zuteilen, der keine große Lücke hinterlässt, und die restlichen Gäste zu Beginn des Essens darauf aufmerksam machen, dass Sie aus einem wichtigen Grund frühzeitig gehen werden.

Ist es dann soweit, genügt eine kurze Verabschiedung bei den Gästen, die in ihrer unmittelbaren Nähe sitzen und ein kurzer Blickkontakt zum Gastgeber, der Ihnen verständnisvoll zunickt.

Beim French Exit besonders wichtig

Ein Brief, eine Thank You Karte oder ein Geschenk im Anschluss an das Fest zeigen Stil — bei einem French Exit sind diese Gesten als Zeichen des Respekts für den Gastgeber noch wichtiger. Nennen Sie den Grund, warum Sie sich frühzeitig verabschiedet haben, denn aufmerksame Gastgeber haben meist auch ohne formelle Verabschiedung bemerkt, dass Sie früher gegangen sind, wenn es nicht eine sehr große, nicht überschaubare Festivität war.

Ein Lob für das wunderbare Fest, das man durch seinen vorzeitigen Abschied nicht in seinem Fluß unterbrechen wollte, freut jeden Gasteber. Idealerweise erwähnen Sie, was Ihnen besonders gefallen hat und von dieser Einladung in Erinnerung bleiben wird und drücken auf diese Weise Ihre Wertschätzung dafür aus, dass Sie eingeladen waren.

Komplizen unter den Gästen

Siehe auch

Kennen Sie einen weiteren Gast der Feier gut, können Sie ihn bitten, Ihre Abschiedsgrüße an die Gastgeber bei seiner Verabschiedung mit zu übernehmen. So braucht sich der Gastgeber keine Sorgen zu machen, weil er Sie am Ende der Feier nicht mehr sieht und kennt bereits den Grund ihres vorzeitigen Abgangs.

Geschickte Planung im Vorfeld des French Exit

Wenn Sie schon vor Beginn des Festes wissen, dass Sie sich auf französische Art empfehlen werden, sollten Sie idealerweise sehr früh zu Beginn des Festes erscheinen. Das gibt Ihnen die Gelegenheit, ausführlich mit dem oder den Gastgebern zu sprechen, bevor alle weiteren Gäste eintreffen und begrüßt werden wollen.

Runden auf dem Fest, um mit möglichst vielen Gästen zu sprechen unternehmen Sie am besten ebenso frühzeitig. Haben Sie Garderobe oder gar Gepäck bei sich, sollten Sie beim Eintreffen an der Garderobe darauf achten, dass Sie später schnell Zugriff darauf haben, damit Sie ohne große Verzögerung, die möglicherweise Aufmerksamkeit auf sich zieht, gehen können.

Die Ausnahmen

Mit diesen Tipps wird man Sie weiterhin gerne einladen, auch wenn Sie sich vorzeitig verabschiedet haben. Keine Regeln ohne Ausnahme: Sollten Sie bei der Queen oder einem Despoten eingeladen sein, vergessen Sie den French Exit. Anderenfalls wird es mit Sicherheit Ihre letzte Einladung dort gewesen sein.

Sollten Sie sich fragen, warum man überhaupt von einer Verabschiedung auf französische Art spricht, so liegt die Wurzel dieser Redewendung bereits im 18. Jahrhundert. In England formulierte man „French leave“ — Frankreich konterte in der Literatur mit „Nous ne pouvons pas parti à l’anglaise“ (Wir können nicht auf englische Art gehen). Zu finden in „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. Im deutschen Sprachgebrauch hat sich die Verabschiedung auf französische Art durchgesetzt. Lange vor dem Brexit.

Abbildung: Palais Royal Paris | 2001 | Guenter Siever Photopgraphy

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