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DIE WESTE – GERADE IM SOMMER EINE GUTE ALTERNATIVE, WENN ES KEIN JACKETT SEIN MUSS

DIE WESTE – GERADE IM SOMMER EINE GUTE ALTERNATIVE, WENN ES KEIN JACKETT SEIN MUSS

Perfekter Sitz beim Arbeiten und am Abend

Die Weste nur einem sehr formalen Dresscode zu überlassen, wäre zu schade. Im Sommer zeigt die Weste solo ihre Qualität als eigenständiges Kleidungsstück

Landung in Nizza

Der rote Teppich ist bei den Filmfestivals von Cannes, Berlin, Locarno und Venedig vorbereitet, wenn französische Schauspielerin Marion Cotillard (Titelbild Marion Cotillard Besuch des IFP 22, NYC 2012 © Miro Vrlik Photography / Alamy Stock Foto) eintrifft. Die Photographen warten schon bei der Landung. Der Look, mit dem sie es vom Flugfeld in Nizza bis in alle Modemagazine geschafft hat: Schwarze Weste, schwarze Jeans, schwarze Lack-Birkenstocks und coole Sonnenbrille. 

Die Weste, der englische Waistcoat oder das französische Gillet, machen nicht nur im klassischen Herrenlook eine gute Figur. Wenn kein Kundenmeeting einen formellen Dresscode erfordert, ist die Solo-Weste im Büro ein guter Freund.

Tagsüber wirkt die Weste angezogen, am Abend, ohne Bluse oder T-Shirt, dafür mit Abendschuhen kombiniert, wird sie zum stilsicheren Outfit für den Drink an der Bar.

Westen für Damen und Herren sind im Moment in vielen Designer Kollektionen vertreten. Die meist körperbetonte Passform hält das Outfit smart zusammen und kann es, im Vergleich zum klassischen Jacket, moderner wirken lassen. 

Die Krawatte ist mittlerweile in vielen Unternehmen vom Muss zum Kann geworden. Der krawattenlose Auftritt erfordert jedoch einen dafür geeigneten Hemdenschnitt, um gut zu wirken. Eine Weste ist auch hier eine gute Idee, noch gut erhaltene Hemden ohne Krawatte, stilsicher aufzutragen.

Je nach Kombination strahlt die Weste Arbeit aus, man denkt unwillkürlich an den Ausdruck „Die Ärmel hochkrempeln“. Stars wie Jade Jagger, Charlotte Rampling und Kate Moss nutzen die Weste gleichweise schon immer für kühlen Glamour.

Zum Hochzeitsfest oder auf der Trainerbank

Wenn Sie keine Lust darauf haben zum Reigen der anderen Hochzeitsgäste ein weiteres nettes Sommerkleid zu addieren, kann ein Sommeranzug mit Weste eine modische Alternative darstellen. Eine interessante Farbe schützt Sie davor, von weniger modebewussten Gästen um einen Martini Cocktail gebeten zu werden.

Eine Weste steht Männern und Frauen gleichermaßen. 

Gareth Southgate, FIFA WORLD CUP RUSSLAND, Moskau 2018 © Allstar Picture Library Ltd / Alamy Stock Foto

Gareth Southgate, der Trainer der englischen Fussballnationalmannschaft, war bei der Fußballweltmeisterschaft 2018 am Rande des Fußballfeldes regelmäßig in dunkelblauer Hose, dunkelblauer Weste, hellblauem Hemd und der Blau-Weiß-Rot gestreiften Krawatte des englischen Nationalteams zu sehen.

Das begeisterte viele Fußball-Fans. Marks & Spencer, der offizielle Ausrüster der englischen Fußballnationalmannschaft, sprach vom „Gareth Southgate effect“ als der Absatz von Westen in der Zeit der Fußballweltmeisterschaft plötzlich um 35 Prozent anstieg.

Zum Sieg der Fußballweltmeisterschaft hatte es 2018 für England nicht gelangt, aber was formelle Kleidung angeht, ist den Briten immer der Spitzenplatz sicher.

Die weiße Weste

Eine weiße Weste, vorzugsweise aus einem Pique-Stoff ist beispielsweise angesagt, wenn der Dresscode „White Tie“ vorsieht. White Tie ist bei einem Staatsbankett mit Mitgliedern der englischen Königsfamilie, einem besonderen Ball oder festlichem Gala-Dinner, wie beispielsweise das Dinner zu Ehren der Nobelpreisträger in Stockholm, üblich.

Queen Elizabeth und der Herzog von Edinburgh, Staatsbankett mit US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama im Buckingham Palace 2011 © Chris Jackson/PA Wire / Alamy Stock Foto

Diese sehr elegante Abendkleidung für den Gentleman erfordert neben der weißen Weste eine weiße Fliege und ein weißes Einstecktuch. Lackschuhe, Manschettenknöpfe, Hemdenknöpfe sowie Long-Socks aus edlem Material komplettieren dabei den schwarzen Frack.

Die eleganten weißen Westen sind relativ tief ausgeschnitten und erlauben einen Blick auf das Hemd. Diese geschmeidig fließende Westenform ist auch für Damen ein sicherer Hingucker. Allerdings bei anderweitiger Gelegenheit, denn lautet der Dress Code White Tie, ist bei Damen eine lange Abendrobe erwünscht.

Auch Hollywood liebte White Tie als Fred Astaire noch tanzte.

Schwarz oder Pastelltöne 

Eine schwarze Weste oder eine Weste in Pastelltönen trägt Mann, wenn Morning Suit, ein weiterer sehr formeller Gesellschaftsanzug auf der Einladung gewünscht wird, beispielsweise bei einer königlichen Hochzeit.

Die Weste, die hierzu bei einem eher heiteren Anlass kombiniert wird, ist vorzugsweise in einem hellen Pastellton gehalten, gerne cremefarben, lichtgrau oder hellblau.

Zum großen Gesellschaftsanzug, dem Morning Suit, gehören Krawatte und Zylinder. Wenn auf Ihrer Eintrittskarte zum Pferderennen in Ascot die Worte Royal Enclosure verzeichnet sind, ist der Morning Suit vorgeschrieben.

Der Royal Enclosure gibt die strengsten Kleidungsvorschriften vor, die anderen drei Bereiche sind nicht ganz so formell. In der Windsor Enclosure ist nicht mal eine Krawatte vorgesehen — nur Bermudas sollten es nicht sein.

                                 BAME Students am Eton College © Windsor Berkshire HOMER SYKES / Alamy Stock Foto

Everything goes

Siehe auch
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Im englischen Elite-College Eton sind bei den Westen alle Farben und Materialien erlaubt wie Flaggenfarben, umgearbeitete alte Seidenvorhänge oder sonstige Phantasiemuster — vorausgesetzt, man ist Mitglied im exklusiven Eton Club „The Eton Society, oder kurz: Pop. Dazu gehörten beispielsweise Prince William und Boris Johnson während ihrer Zeit in Eton. Man sagt, David Cameron wäre zu gerne Pop gewesen, wurde jedoch nicht aufgenommen.

Bei allen Festivitäten in Eton erkennt man die Pops sofort an ihren bunten, ausgefallenen Westen, während für alle anderen College-Schüler eine schlichte schwarze Weste vorgesehen ist.

Gewitterwolken am Himmel

Eine poetische Beschreibung eines schwarzgefärbten Himmels unmittelbar vor einem Gewitter ist die schottische Redewendung „It’s as black as the earl of hell’s waistcoat“.

Bei kühlen Temperaturen, sei es aufgrund von zu stark eingestellten Klimaanlagen im Sommer oder niedrigeren Heizungstemperaturen im kommenden Winter, ist eine Weste ist immer eine feine Sache.

Für alle, die leicht frieren, empfiehlt sich eine wärmende Weste aus schottischem Tweed, die man zu vielen Dingen kombinieren und oft sogar vererben kann: Circular Economy at it’s best und ein schöner Grund, Glasgow mal wieder einen Besuch abzustatten.

 

 

 

 

 

 

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